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Expertenkonsens „Primary percutaneous coronary intervention (PCI) for acute coronary syndromes (ACS)“ der CVIT

veröffentlichende Fachgesellschaft: Japanese Association of Cardiovascular Intervention and Therapeutics (CVIT)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 26.02.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1007/s12928-025-01229-z

primäre PCI bei STEMI, sofortige/frühinvasive vs. konservative Strategie bei NSTEMI

  • primäre perkutane Koronarintervention (PCI) der Infarktarterie (IRA) bei STEMI
  • sofortige invasive Strategie (so schnell wie möglich) bei NSTE-ACS-Patient*innen mit sehr hohem Risiko (hämodynamische Instabilität oder kardiogener Schock, wiederkehrende oder refraktäre Brustschmerzen trotz medikamentöser Behandlung, lebensbedrohliche Arrhythmien, mechanische Komplikationen eines Myokardinfarkts, Herzinsuffizienz, die eindeutig mit dem ACS zusammenhängt, und wiederkehrende dynamische ST-Strecken- oder T-Wellen-Veränderungen, v.a. mit intermittierender ST-Streckenhebung)
  • frühzeitige invasive Strategie (< 24 h) bei NSTE-ACS-Patient*innen mit hohem Risiko (bestätigter NSTEMI basierend auf hs-cTn-basiertem ESC-Algorithmus, dynamische ST-Strecken- oder T-Wellen-Veränderungen, vorübergehende ST-Streckenhebung oder GRACE-Score > 140)

praktische Empfehlung für die primäre PCI

DAPT-Loading-Dose (duale Thrombozytenaggregationshemmung)

  • 162 – 325 mg Aspirin als Initialdosis und 81 – 162 mg Erhaltungsdosis 1x tgl. oral
  • 20 mg Prasugrel als Initialdosis und 3,75 mg Erhaltungsdosis 1x tgl. oral
  • 180 mg Ticagrelor als Initialdosis und 90 mg Erhaltungsdosis 2x tgl. oral

Antikoagulation während der PCI

  • Antikoagulation zusätzlich zur Thrombozytenaggregationshemmung bei allen Patient*innen während der primären PCI empfohlen

Zugang (femoral vs. radial)

  • radialen Zugang dem femoralen Zugang vorziehen, sofern er von erfahrener Radiolog*innen durchgeführt wird

Thrombusaspiration

  • Thrombusaspiration bei thrombotischen Läsionen im Rahmen einer primären PCI bei STEMI-Patient*innen oder einer PCI bei NSTE-ACS-Patient*innen in Betracht ziehen, auch wenn keine GP IIb/IIIa-Inhibitoren verfügbar sind

Schutz durch distalen Filter

  • distalen Filter kann in ausgewählten Fällen in Betracht ziehen, wenn die Plaquebelastung groß ist und eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine distale Embolie oder einen No-Reflow besteht oder wenn es in Saphena-Venen-Bypässen zu einem Myokardinfarkt kommt

pharmakologische Intervention bei No-Reflow-Syndrom

  • Nicorandil i.v. vor der primären PCI innerhalb von 12 h nach Symptombeginn bei STEMI-Patient*innen erwägen, um eine Beeinträchtigung der koronaren Mikrozirkulation zu verhindern
  • intrakoronare Injektion von Nicorandil als Notfallmaßnahme bei verlangsamtem Fluss oder fehlendem Rückfluss in Betracht ziehen

direkte Stentimplantation

  • direkte Stentimplantation bei primärer PCI in Betracht ziehen

Ballonangioplastie

  • aktuell reine POBA-Strategie ggü. direkter Stentimplantation nicht empfohlen

Stents

  • Drug-Eluting Stent (DES) der neueren Generation ggü. Bare-Metal-Stent (BMS) empfohlen

medikamentenbeschichteter Ballon (DCB)

  • DCB-Implantation für die PCI bei Patienten mit ACS in Betracht ziehen, wenn die Implantation von DES nicht möglich ist

intrakoronare Bildgebung (IVUS/OCT/OFDI)

  • zur Steuerung der optimalen PCI IVUS oder OCT verwenden
  • relative Stentexpansion von > 80 % (MSA geteilt durch die durchschnittliche Referenzlumenfläche) und MSA von > 5,5 mm² mittels IVUS und > 4,5 mm² mittels OCT bei Läsionen außerhalb des linken Hauptstamms erreichen
  • akute, unvollständige Stentapposition mit Abstand von ≤ 250 µm löst sich wahrscheinlich im Verlauf der Nachbeobachtung auf (CAVE: bei Abstand von > 250 µm zusätzliche Nachdilatation erwägen)
  • zur Erkennung stentbedingter mechanischer Probleme IVUS/OCT/OFDI-Untersuchung in Betracht ziehen
  • postinterventionelle OCT/OFDI-Beurteilung, inkl. des Vorhandenseins einer Dissektion, des Grades einer unvollständigen Stentapposition und des Vorhandenseins einer Thrombusprotrusion, kann dazu beitragen, MACE in der Langzeitnachbeobachtung zu reduzieren

mechanische Kreislaufunterstützung

  • keine routinemäßige intraaortale Ballonpumpe
  • bei Patient*innen mit hämodynamischer Instabilität/kardiogenem Schock aufgrund mechanischer Komplikationen intraaortale Ballonpumpe in Betracht ziehen
  • bei Patiente*innen mit refraktärem Schock in ausgewählten Einrichtungen kurzfristige mechanische Unterstützung (Impella oder ECMO) erwägen

Mehrgefäßerkrankung und Behandlung nicht-infarktbedingter Arterien

  • vollständige Revaskularisierung bei STEMI- oder NSTEMI-Patient*innen mit Mehrgefäßerkrankung in Betracht ziehen
  • vollständige Revaskularisierung bei Patient*innen mit stabilem STEMI und Mehrgefäßerkrankung entweder während der Index-PCI oder innerhalb von 45 Tagen empfohlen
  • vollständige Revaskularisierung bei Patient*innen mit stabilem NSTE-ACS und Mehrgefäßerkrankung empfohlen, vorzugsweise während des Indexeingriffs
  • PCI an nicht-infarktbezogenen Arterien während des Indexeingriffs bei Patient*innen mit kardiogenem Schock nicht empfohlen
Published inLeitlinien kompakt

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