veröffentlichende Fachgesellschaft: New Zealand’s National Children’s Hospital (Starship)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 14.05.2026
Ablaufdatum: 14.05.2028
Quelle/Quelllink: https://www.starship.org.nz/guidelines/verbal-and-non-verbal-de-escalation-of-agitated-patients/
kontinuierliche Risikobewertung
- Art und das Ausmaß des Risikos, inkl. der Reaktionen auf die Maßnahmen der Mitarbeitenden, kontinuierlich überwachen
- SICHERHEIT GEHT VOR
persönlichen Raum respektieren
- persönlichen Raum der Patient*innen aktiv vergrößern, um wahrgenommene Bedrohungen zu verringern (d.h. Abstand von zwei Armlängen zum Patienten einhalten)
- ungehinderter Zugang zum Ausgang für Patient*innen und Personal
Techniken zur Selbstbeherrschung
- Konfrontation mit Aggressionen kann sich auf emotionale Regulierung der Mitarbeitenden auswirken
- entspannte Mitarbeiter*innen sorgen für entspanntere Patient*innen
- zuständiges Personal wechseln, wenn sich dieses aufgeregt, wütend, überfordert oder müde fühlt
Provokationen vermeiden
- bekannte Auslöser verstehen und versuchen, diese zu vermeiden
- vermeiden, dass sich die Patient*innen bedroht oder noch verletzlicher fühlen
- ruhiges Auftreten und ruhiger Gesichtsausdruck
- offen gezeigte Hände
- „feindselige“ Körperhaltungen vermeiden (z.B. verschränkte Arme)
- Versuch sich schräg zu den Patient*innen zu stellen und Abstand richtig einschätzen, also nicht zu nah und nicht zu weit entfernt
Umgebung berücksichtigen
- andere Patient*innen wegschicken
- Patient*innen vorschlagen, sich in eine Umgebung mit wenigen Reizen zu begeben
- Patient*innen eine Auswahl an Aktivitäten anbieten, die als beruhigend empfunden werden können
verbalen Kontakt herstellen
- Patient*innen einen oder eine begrenzte Anzahl von Mitarbeitern zuweisen
- Teilhabende bzgl. des Ablaufs einweisen und Erwartungen daran formulieren, was passieren wird
- Patienten versichern, dass man ihnen helfen will
gewählte Sprache
- einfache, prägnante Sprache und kurze Sätze verwenden
- ggf. müssen Botschaften wiederholt bzw. bekräftigt werden
- Bedürfnisse, Ziele und Erwartungen der Patient*innen ermitteln
- Aggression kann Ausdruck eines Bedürfnisses sein (feststellen, ob das Kind Hunger hat, sich unsicher fühlt oder Schmerzen hat)
- durch Körpersprache und verbale Bestätigung zeigen, dass man Verständnis hat, und das Gegenüber ernst nimmt
- Nutzung von Sätzen wie z.B. „Was hilft in solchen Momenten?“, „Kannst du mir sagen, was du dir erhofft oder erwartet hast?“
aktives Zuhören
- Körpersprache und Bestätigungen einsetzen, um den Patient*innen zu vermitteln, dass diese gehört, verstanden und geschätzt werden (z.B. „Also, habe ich das richtig verstanden…“, „Was ich gehört habe, ist…“)
abwartende Beobachtung
- kognitive Belastung der Patient*innen, die möglicherweise Schwierigkeiten haben, ihre Emotionen zu regulieren, so gering wie möglich halten
- Situation aktiv beurteilen, während dies geschieht
- Raum und Auszeit geben
Einfühlungsvermögen
- verbal und nonverbal ausdrücken
- ggf. hilfreich sein, ruhig zu wirken
- ggf. hilfreich sein, die Notlage der Patient*innen durch Spiegeln anzuerkennen, indem man beschreibt, wie sich die Patient*innen offenbar fühlen, oder dies in ihrer Körpersprache widerspiegeln
Beruhigung
- Patient*innen versichern, dass diese in Sicherheit sind, respektiert und geschätzt werden (z.B. „Wir wollen einfach nur, dass es dir gut geht.“ „Wir wollen dich beschützen, nicht dir wehtun.“)
Respekt und Scham vermeiden
- nach Lösungen suchen, die es den Patient*innen ermöglichen, ihre Würde zu bewahren (z.B. „Vielleicht geht es dir besser, wenn …“ „Ich verstehe, wie sehr dich das aufregt – ich werde versuchen, dir dabei zu helfen.“)
Zustimmen oder Einigung, unterschiedlicher Meinung zu sein
- „Was du gerade durchmachst, ist schwer.“
- „Ich will dasselbe wie du“
- „Das würde mich auch aufregen“
- „Wir haben vielleicht unterschiedliche Vorstellungen davon (worauf sich die Meinungsverschiedenheit bezieht)“
Ablenkung
- Musik, Aktivitäten, Spielbegleitung (sofern dies gefahrlos möglich ist)
angemessener Humor
- lässt sich möglicherweise erreichen, indem man die emotionale Dynamik der Situation durch den angemessenen, aber nachdrücklichen Einsatz von Humor verändert
klare Grenzen und Erwartungen
- vernünftige, respektvolle Grenzsetzung
- Versuch, das Feilschen auf ein Minimum zu beschränken
- „Es würde mir helfen, wenn du dich hinsetzen würdest bzw. leiser sprechen würdest, damit ich verstehen kann, was du brauchst.“
- „Wir müssen für deine Sicherheit und die Sicherheit aller anderen sorgen. Wenn du also nicht damit aufhören kannst (risikoreiches Verhalten), werden wir (klare, nicht strafende Konsequenz) ergreifen, um die Sicherheit aller zu gewährleisten.“
Verhandlung
- gemeinsame Ziele und gemeinsamen Konsens ermitteln (z.B. „Wie wäre es, wenn wir … und du …?“ ODER „Wenn du es kannst … dann können wir es auch …“)
- realistische Entscheidungsmöglichkeiten stärken die Patient*innen und ermöglichen es ihnen, wieder ein gewisses Maß an Kontrolle zu erlangen
Ereignisse neu interpretieren
- behutsame Auseinandersetzung mit alternativen Interpretationen können sich als hilfreich erweisen (z.B. „Vielleicht hast du das Gefühl, ich wolle dich kontrollieren, aber ich möchte nur, dass du ruhig genug bist, damit wir/du … können.“)
konfliktfreie Grenzsetzung
- Drohungen vermeiden (z.B. „Wenn du …, dann werden wir …“)
- „Wenn du es schaffst … 20 Minuten lang, dann schaffen wir es auch … sonst …“
Nachbesprechung
- Patienten ggf. bitten die eigene Sichtweise darzulegen
- Optionen/alternative Strategien prüfen, falls sich die Situation erneut ergibt


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