veröffentlichende Fachgesellschaft: Arbeitsgruppe für pädiatrische Wirbelsäulentraumatologie der Sektion Wirbelsäule der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 16.06.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1007/s00068-026-03088-6
Grundsätzliches
- Wirbelsäulenverletzungen bei Kindern und Jugendlichen sind selten und machen 1 – 4 % aller Frakturen aus
- Inzidenz von HWS-Verletzungen bei polytraumatisierten Kindern: etwa 1 – 2 %
- HWS neben dem thorakolumbalen Übergang am häufigsten betroffene Region
- Mehrheit der Fälle tritt bei Kindern unter zehn Jahren auf, wobei die Verletzungen vorwiegend im oberen Halswirbelsäulenbereich lokalisiert sind
- Verletzungen unterscheiden sich hinsichtlich des Traumatismusmechanismus, der Morphologie, der Diagnostik und zumindest der Behandlung erheblich von denen bei Erwachsenen
Algorithmus
- Beurteilung des neurologischen Status bei pädiatrischen Patient*innenen erfolgt i.d.R. anhand der modifizierten pädiatrischen Glasgow-Koma-Skala (pGCS)
- Alter ist einer der wichtigsten Faktoren im klinischen und radiologischen Entscheidungsprozess zur Erkennung von HWS-Verletzungen, weswegen Bildgebungsempfehlungen für zuvor definierte Altersgruppen ausgesprochen wurden
- Altersgruppen 1 (0 – 6 Jahre) & 2 (7 – 9 Jahre) –> aufgenommen in den Bildgebungsablaufplan
- Altersgruppe 3 (10 – 16 Jahre) folgt einem eigenen Zweig im Ablaufplan

Pfad 1 – initialer pGCS-Wert 14 – 15
- Bereich konzentriert sich auf Anamnese sowie ausführliche körperliche Untersuchung
- je nach Alter des Kindes Fremd- oder Eigenanamnese
- abhängig von den Ergebnissen wird unter Bezugnahme auf die NEXUS-Kriterien und die Canadian-C-Spine-Rules eine Empfehlung für bildgebende Untersuchungen ausgesprochen
- Ausschluss von Wirbelsäulenverletzungen, wenn keiner der folgenden Punkte zutrifft:
- risikoreicher Unfallmechanismus
- anhaltende Nackenschmerzen
- abnorme Kopfhaltung
- Bewegungseinschränkungen im Nackenbereich
- mögliche Verletzungen im Brust-, Bauch- oder Beckenbereich
Pfad 2 – initialer pGCS-Wert 9 – 13
- Gruppe weist bekanntermaßen ein mittleres Verletzungsrisiko auf
- erste klinische Abklärung ist nicht möglich, sodass eine Nachuntersuchung erforderlich ist
- bei Verbesserung des pGCS –> Behandlung gemäß Pfad 1
- keine Verbesserung bzw. Verschlechterung des pGCS –> Behandlung gemäß Pfad 3
Pfad 3 – initialer pGCS-Wert < 9
- Behandlung gemäß den aktuellen Leitlinien für das pädiatrische Polytrauma mit unverzüglicher CT-Diagnostik
- keine Auffälligkeiten im CT –> klinische Neubewertung innerhalb von 6 h
- Immobilisation aufrechterhalten, solange Pathologie nicht vollständig ausgeschlossen wurde
- da aktive Untersuchung bei dieser Patient*innengruppe erheblich eingeschränkt ist, besonderes Augenmerk auf neurologische Symptome wie pathologische Reflexe oder Überlaufinkontinenz legen
- bei Verbesserung des pGCS –> Behandlung gemäß Pfad 1
- keine Verbesserung bzw. Verschlechterung des pGCS –> weitere Diagnostik



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