Die Planetary Health Alliance hat Anfang August 2026 ein Papier mit dem Titel „European Declaration on Heat and Health – A call from Europe’s health community to the institutions of the European Union“ veröffentlicht. Die wichtigsten Punkte der Deklaration gibt es nachfolgend.
Forderungen – radikaler Wandel der Ambitionen
- Übergang zum operativen Notstand
- 7 Jahre und Zehntausende von Hitzetoten nach der Ausrufung des Klimanotstands durch das Europäische Parlament im Jahr 2019 muss der kommende Europäische Rahmen für Klimaresilienz das leisten, was Strategien bisher nicht geschafft haben…
- rechtsverbindliche Anpassungsverpflichtungen
- Zielvorgaben für Gesundheitsergebnisse
- Hitze als vorrangiges Risiko
- Anerkennung von extremer Hitze als schwerwiegende grenzüberschreitende Gesundheitsgefahr
- 7 Jahre und Zehntausende von Hitzetoten nach der Ausrufung des Klimanotstands durch das Europäische Parlament im Jahr 2019 muss der kommende Europäische Rahmen für Klimaresilienz das leisten, was Strategien bisher nicht geschafft haben…
- Verabschiedung eines Europäischen Hitze-Gesundheits-Aktionsplans
- Aktionsplan mit Notfall-Anpassungsfonds, um Gesundheits- & Pflegeeinrichtungen sowie -dienste, Kindergärten und Schulen klimafest zu machen und um integrierte Gesundheitswarnungen vor Hitze und Waldbrandrauch in jedem Mitgliedstaat aufzubauen
- Umsetzung des auf der COP30 gebilligten Belém-Gesundheitsaktionsplans (Belém Health Action Plan)
- Evaluierung jeder Maßnahme, wobei hitzebedingte Sterblichkeit, Morbidität und Produktivitätsverluste als Maßstäbe für den Erfolg dienen, und Gesundheit von einem Rundungsfehler der EU-Anpassungsfinanzierung zu einer ihrer Prioritäten aufsteigen muss
- Schließung der Lücke beim europäischen Hitzeschutz am Arbeitsplatz
- aktuell nur allgemeine Pflichten für Arbeitgeber*innen durch EU-Recht
- Forderung der Verabschiedung der Richtlinie zur Prävention von berufsbedingten Hitzerisiken, die von den europäischen Gewerkschaften bereits gefordert wurde (Richtlinien mit verbindlichen, regional angepassten Temperaturschwellenwerten auf Grundlage gemeinsamer europäischer Standards zur Risikobewertung, automatischen Arbeitsbeschränkungen und Entschädigungsregeln, die auch Saison-, Migranten- & Plattformarbeitende einschließt)
- Gewährleistung des Zugangs zu sicheren Innentemperaturen für vulnerable Personen
- Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden erweitern, sodass passive Kühlung den bestehenden Wohnungsbestand erreicht, und Stromnetze für sommerliche Spitzenlasten planen/anpassen
- Beschleunigung der Eindämmung als Gesundheitspolitik
- Abschaffung der Subventionen für fossile Brennstoffe von jährlich über 400 Milliarden Euro
- vollständige Umsetzung des Green Deal sowie der Klimaziele für 2040
- Umleitung von Ressourcen in saubere Energie, saubere Luft und resiliente Gesundheitssysteme
- gemeinsame Agrarpolitik auf eine gesunde, nachhaltige Ernährung ausrichten
- jede vermiedene Tonne Treibhausgase verhindert heute und morgen Krankheiten und Todesfälle in Europa
- Gesundheit, Evidenz und Gerechtigkeit in den Mittelpunkt der gesamten EU-Klimapolitik stellen
- Maßnahmen priorisieren, die gleichzeitig die Gesundheit schützen, Emissionen senken und die Widerstandsfähigkeit stärken
- Bewertung des gesundheitlichen Zusatznutzen und -schadens von Unionsgesetzen
- Aufrechterhaltung einer unabhängigen Überwachung
- Gesundheitsfachkräften sowie betroffenen Gruppen formell eine Stimme in der europäischen Klimagovernance geben
Selbstverpflichtung
Der Gesundheitssektor muss selbst mit gutem Beispiel vorangehen:
Eigene Verpflichtung unsere Krankenhäuser, Praxen und Pflegeeinrichtungen klimaresilient und klimaneutral zu machen, unsere Patient*innen und unser Personal vor Hitze zu schützen und die Stimme der Gesundheit in jede Klimaentscheidung einzubringen
notwendige Umsetzungen auf drei Handlungsebenen
europäische und nationale Governance
- Verankerung von extremer Hitze als anerkannte Gefahr im Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz, mit klaren Zuständigkeiten über alle Regierungsebenen hinweg, verlässlichem Lagebewusstsein und regelmäßigen Übungen
- Verbindlichmachung von Hitze-Gesundheits-Aktionsplänen durch die Kopplung konkreter, verpflichtender Maßnahmen an jede Warnstufe, wie die Aktivierung von Krisenstäben, verlängerte Dienstzeiten und den Schutz exponierter Arbeitsplätze, sodass Warnungen nicht nur bloßes Bewusstsein bedingen, sondern Taten auslösen
- Verabschiedung und Finanzierung des Belém-Gesundheitsaktionsplans zur Klimaanpassung von Gesundheitssystemen in jedem Land
- Ersetzung von Ad-hoc-Notfallpaketen durch verlässliche mehrjährige Budgets für Hitzeresilienz, die Institutionen, Belegschaften, Kommunen und kritische Infrastrukturen abdecken, da Prävention weit weniger kostet als Reparatur
- Bewertung jeder Maßnahme anhand ihrer Ergebnisse, mit hitzebedingter Mortalität und Morbidität als Erfolgsmaßstab, gemessen mit harmonisierten europäischen Indikatoren, damit Fortschritte länderübergreifend verglichen werden können, sowie die Einbeziehung der Pflege- und Sozialberufe in Krisenstrukturen
Gesundheits-, Pflege- und Sozialsektor
- Implementierung von epidemiologischer Überwachung und Frühwarnung in Echtzeit, verknüpft mit Gesundheitsversorgungs- und Sterblichkeitsdaten
- Etablierung einrichtungsspezifischer Hitzepläne in Krankenhäusern, Gesundheitszentren, in der Langzeitpflege, in Pflegeheimen und in Kindertagesstätten, mit geschultem Personal, vorbereiteten Kapazitätserweiterungsverfahren (Surge Procedures) und dem Schutz des Personals, ohne das keine Einrichtung irgendjemanden schützen kann
- proaktive Kontaktaufnahme zu isolierten älteren Menschen, chronisch Kranken und sozial gefährdeten Personen, in Zusammenarbeit mit der Gemeindepflege, Sozialdiensten und pflegenden Angehörigen
- Aufbau einer klimaresilienten Gesundheitsinfrastruktur mit Anpassung von Gebäuden an extreme Hitze durch Belüftung, Beschattung und Begrünung, auf dem Weg zu einem klimaneutralen Betrieb
- Schulung von Gesundheitsfachkräften in den Bereichen Klima und Gesundheit sowie klare, einfache öffentliche Informationen zu Prävention, Flüssigkeitszufuhr, Kühlung und Warnzeichen
Kommunen
- Bereitstellung zugänglicher „Kühlzentren“ mit erweiterten Öffnungszeiten, Trinkwasser und sozialer Weitervermittlung sowie gezielte Maßnahmen für Obdachlose und im Freien arbeitende Menschen
- Kartierung städtischer Hitzeinseln und gefährdeter Bewohner*innen, Verknüpfung von Gesundheitsdaten mit sozialen und räumlichen Analysen sowie freiwillige Registrierungs- und Kontaktstrukturen, damit Hilfe in einer Krise die Menschen erreicht
- Städte von Grund auf kühler gestalten durch rasche Ausweitung naturbasierter Lösungen, mehr Bäume, mehr Schatten, grüne Korridore & Trinkbrunnen, zusammen mit hellen oder durchlässigen Oberflächen
- Aufbau von Nachbarschafts- und Freiwilligennetzwerken wie Patensystemen (Buddy-System), lokalen Hitzeteams und Gemeindezentren, die Bewohner*innen von Schutzobjekten zu Akteur*innen des Schutzes machen
- Etablierung einer mehrsprachigen, zielgruppenorientierten Kommunikation für die am schwersten zu erreichenden Personen sowie intersektorale Koordination von Gesundheit, Wohnraum, Zivilschutz und Sozialdiensten


Sei der Erste der einen Kommentar abgibt