veröffentlichende Fachgesellschaft: Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT)
Klassifikation gemäß AWMF: S3
Datum der Veröffentlichung: 27.02.2026
Ablaufdatum: 26.02.2031
Quelle/Quelllink: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/155-001
PTBS bei Erwachsenen
Grundsätzliches
- weltweite Prävalenz von mindestens einem potenziell traumatischen Ereignis in der Lebensgeschichte beträgt 70,4%
- 24 % der Personen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Posttraumatische Belastungsstörung als Folge eines oder mehrerer solcher Ereignisse
- 1-Monatsprävalenz der PTBS liegt in Deutschland bei 1,5 %
- 1-Monatsprävalenz der kPTBS liegt in Deutschland bei 0,5 %
- nicht jedes potenziell traumatische Lebensereignis oder jeder schwere Stressor führt zur Entwicklung einer PTBS
- traumabezogene Reaktionen oder Symptome nach belastenden Ereignissen sind nicht mit dem Vorliegen einer (k)PTBS gleichzusetzen
- akute Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen können auftreten und sind häufig selbstlimitierend –> Entwicklung hin zu einer PTBS ist möglich, jedoch nicht der Regelfall und bedarf einer sorgfältigen differenzialdiagnostischen Abklärung
Diagnostik
- bei jeder psychodiagnostischen Befund- und Anamneseerhebung im Erwachsenenalter Erfassung, ob potenziell traumatische Ereignisse in der Lebensgeschichte erlebt wurden
- differenzierte Traumaanamnese, wenn mind. ein potenziell traumatisches Ereignis berichtet wird oder unklar ist, ob potenziell traumatische Ereignisse in der Lebensgeschichte erlebt wurden
- Nutzung von PTBS-Screeninginstrumenten, wenn keine differenzierte Traumaanamnese möglich ist
- strukturierte Interviews oder Erfassung der posttraumatischen Symptomatik mittels eines validierten Selbstberichtsinstrumentes bei Vorliegen mind. eines potenziell traumatischen Ereignisses soll zur Unterstützung der (k)PTBS-Diagnostik (wenn mgl., strukturiertes Interview bevorzugen)
- Nutzung der deutschen Versionen des ITI (International Trauma Inventory, ICD-11) oder der CAPS-5 (Clinician-Administered PTSD Scale for DSM-5) als strukturierte Interview zur Diagnostik der PTBS
- Verwendung der deutschen Versionen der PCL-5 (PTSD Checklist for DSM-5), der PDS-5 (PTSD Diagnostic Scale for DSM-5) oder des ITQ (International Trauma Questionnaire, ICD-11) zur Erfassung der posttraumatischen Symptomatik als Selbstberichtsinstrumente
- Verwendung der deutschen Version des ITI (International Trauma Inventory, ICD-11) als strukturiertes Interview zur Diagnostik der kPTBS
- Nutzung der deutschen Version des ITQ (International Trauma Questionnaire, ICD 11) als Selbstberichtsinstrument zur Erfassung der komplexen posttraumatischen Symptomatik
- psychosoziale Funktionsfähigkeit und/oder Lebensqualität im Rahmen der Diagnostik der (k)PTBS miterheben
psychotherapeutische Behandlung
- traumafokussierte Psychotherapie im Einzelsetting bei PTBS-Patient*innen mit Schwerpunkt auf der Auseinandersetzung mit den traumatischen Ereignissen und den dazugehörigen Kognitionen, Emotionen und Erinnerungen
- insbesondere folgende Interventionen werden aufgrund der robusten Evidenz empfohlen (CAVE: nur alphabetische Aufzählung): Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), Kognitive Therapie (KT), Kognitive Verarbeitungstherapie (Cognitive Processing Therapy, CPT), Narrative Expositionstherapie (NET), Prolongierte Exposition (PE)
- für generell notwendige vorausgehende Stabilisierungsphase vor traumafokussierter Psychotherapie liegt derzeit für erwachsene Patient*innen mit PTBS keine Evidenz vor
- bei entsprechender Präferenz Psychotherapie (inkl. traumafokussierter Psychotherapie) für PTBS-Patient*innen auch unter Nutzung zertifizierter Videodienstanbieter erwägen (CAVE: dabei Rahmenbedingungen, Indikation sowie Risiken & Nebenwirkungen der videogestützten Therapie berücksichtigen)
- traumafokussierte Psychotherapie für PTBS kann Patient*innen auch in höherer Frequenz (d. h. mehrfach in der Woche) angeboten werden
pharmakotherapeutische Verfahren
- primär traumafokussierte Psychotherapie bei der Behandlung der PTBS
- Pharmakotherapie ist Behandlung der 2. Wahl, z.B. bei Patient*innenpräferenz, unzureichendem Ansprechen oder fehlender Verfügbarkeit einer traumafokussierten Psychotherapie
- psychopharmakologische Behandlung der PTBS mit Sertralin, Paroxetin, Fluoxetin (Off-Label) oder Venlafaxin (Off-Label)
- psychopharmakologische Behandlung von Albträumen im Rahmen einer PTBS mit Prazosin (Off-Label)
- Pharmakotherapie im Rahmen einer traumafokussierten Psychotherapie nur zur Behandlung von Schlafstörungen oder komorbiden Störungen
- keine Benzodiazepine und Z-Substanzen zur Behandlung der PTBS
adjuvante Verfahren
- Physiotherapie bzw. Soziotherapie als adjuvante Therapie in traumaspezifischem, multimodalen Behandlungsplan bei Personen mit (k)PTBS
- Sport- und Bewegungstherapie als adjuvante Therapie in traumaspezifischem, multimodalen Behandlungsplan bei Personen mit (k)PTBS
- Angebot adjuvanter Künstlerischer Therapien im traumaspezifischem, multimodalen Behandlungsplan aufgrund der positiven klinischen Erfahrung
im stationären Setting auch hinsichtlich der Wirkung auf komorbide
Störungen - bei beeinträchtigenden Einschränkungen in Körperfunktionen, -strukturen, bedeutungsvollen Betätigungen sowie Alltagsaktivitäten und beruflichen Anforderungen in Bezug auf die Teilhabe ergotherapeutische Intervention als adjuvante Maßnahme im integrativen Gesamtbehandlungsplan anbiete
komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS)
- psycho-therapeutische Behandlung mit Kombination traumafokussierter Techniken mit Schwerpunkten auf der Verarbeitung der Erinnerung an die traumatischen Erlebnisse und/oder ihrer Bedeutung sowie auf Techniken zur Emotionsregulation, und zur Verbesserung des Selbstwertgefühls sowie von Beziehungsstörungen im Sinne der Bearbeitung dysfunktionaler zwischenmenschlicher Muster bei kPTBS nach ICD-11
- mehrere Phasen umfassendes Vorgehen einem ausschließlich isoliert traumafokussierten Vorgehen vorziehen
- Psychotherapie für kPTBS kann auch in höherer Frequenz (d. h. mehrfach in der Woche) angeboten werden
komorbide psychische Störungen
- traumafokussierte Psychotherapie im Einzelsetting mit Schwerpunkt auf der Auseinandersetzung mit den traumatischen Ereignissen und den dazugehörigen Kognitionen, Emotionen und Erinnerungen bei Patient*innen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung und komorbiden psychischen Störungen
- klinische Komorbidität in Gesamtbehandlungsplan mit „partizipativer Entscheidungsfindung“ bei der Behandlung der (komplexen) PTBS berücksichtigen
- Angebot der traumafokussierten Psychotherapie auch bei Patient*innen mit (k)PTBS und potentiell gefährdenden Symptomen (z.B. Suizidalität, psychotische Symptome, Selbstverletzung, Fremdaggression, Substanzkonsum), sofern diese nicht mit schwerwiegenden Störungen der Verhaltenskontrolle einhergehen
- wenn bei Patient*nnen mit (k)PTBS aktuell schwerwiegende Störungen der Verhaltenskontrolle vorliegen, diese zunächst behandeln und traumafokussierte Psychotherapie im Verlauf anbieten
Behandlung von älteren Personen
- Angebot traumafokussierter psychotherapeutischer Interventionen zur Reduktion von PTBS-Symptomen bei Menschen über 65 Jahren mit PTBS-Symptomen
- Angebot einer traumafokussierten Behandlung auch bei hochaltrigen Patient*innen (≥ 80 Jahre) sowie Menschen mit kognitiven Einschränkungen bzw. leichten und mittelgradigen Demenzen mit PTBS-Symptomen
- derzeit keine spezifische Empfehlung zur Psychopharmakotherapie bei PTBS für Menschen über 65 Jahre aufgrund der mangelnden Studienlage
- primär traumafokussierte Psychotherapie auch bei älteren Erwachsenen bei der Behandlung einer PTBS –> Pharmakotherapie ist die Behandlung der 2. Wahl (CAVE: unerwünschte Wirkungen und Interaktionen zwischen Medikamenten berücksichtigen; Nebenwirkungen von Medikamenten von der PTBS-Symptomatik differentialdiagnostisch unterscheiden)
- Angebot traumainformierter Pflegekonzepte in der Betreuung älterer Patient:innen mit PTBS-Symptomen (Elemente eines traumainformatierten Pflegekonzeptes sind die Fähigkeit von Personal, PTBS-Symptome zu erkennen und ihren Beitrag zu Gesundheit und Gesundheitsverhalten älterer Personen zu erkennen, angemessen auf die Symptomatik zu reagieren, eine sichere Umgebung zu schaffen und vorhandene Ressourcen zu stärken)
Behandlung von Erwachsenen mit Fluchthintergrund
Grundsätzliches
- Prävalenzzahlen von Traumafolgestörungen (v.a. PTBS, Depression und Angst) sind bei Menschen mit Fluchthintergrund deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung
- Prävalenzzahlen zw. 11,4 – 46,5 % für eine PTBS bei asylsuchenden und geflüchteten Menschen in Deutschland
- registerbasierte Studie von geflüchteten Menschen aus Syrien in Deutschland konnte zeigen, dass die Prävalenz der PTBS über einen Zeitraum von 1,5 Jahren auf einem hohen Level blieb
- höhere wahrgenommene Diskriminierung, eine höhere Anzahl von erlebten traumatischen Ereignissen sowie eine kürzere Zeit seit Erhalt der Aufenthaltserlaubnis waren Prädiktoren für psychischen Stress
- 54,7% der Personen mit einer PTBS zeigten ebenso Symptome einer Somatisierungsstörung, 48,8% der Personen mit einer PTBS zeigten ebenso eine Depression und 33,7% der Personen mit einer PTBS zeigten zusätzlich sowohl depressive als auch Symptome einer Somatisierungsstörung
Empfehlungen
- Einsatz psychometrischer Tests und/oder strukturierter klinischer Interviews zur Unterstützung der Diagnostik bei geflüchteten Menschen, wie bei anderen (k)PTBS-Patient*innen
- Einsatz validierter Instrumente in der Erstsprache der Patient*innen (falls nicht verfügbar, Verwendung eines übersetzten, nicht validierten Instrumentes)
- Einsatz von ad hoc Übersetzung nur, wenn keine validierten und/oder übersetzen Instrumente vorliegen
- Angebot einer traumafokussierten Therapie bei PTBS-Patient*innen mit Fluchthintergrund, wie auch bei anderen PTBS-Patient*innen
- sozialstrukturelle und psychosoziale Kontextfaktoren in der Therapie von PTBS-Patient*innen mit Fluchthintergrund berücksichtigen
- aktuell zu wenige Studien, die die Wirksamkeit von adjuvanten Therapien bei PTBS-Patient*innen mit Fluchthintergrund untersuchen
- wenn Sprachbarrieren nicht durch sprachliche Passung von Patient*in und Therapeut*in aufgelöst werden kann, Therapie mit geschulten Sprachmittler*innen durchführen
Behandlung von Erwachsenen mit Störung der Intelligenzentwicklung (SIE)
- Orientierung bei der Beurteilung der Symptomatik an den Hinweisen des Diagnostic Manual – Intellectual Disability 2 (DM-ID2) bis zum Vorliegen validierter diagnostischer Kriterien (CAVE: berücksichtigen, dass sich Symptome einer (k)PTBS mit zunehmender Schwere der Störung der Intelligenzentwicklung unklarer zeigen und sich eher vegetativ, körperlich, psychomotorisch und auf der Verhaltensebene ausdrücken)
- Einsatz validierter Instrumente (z.B. Impact of Events Scale – Intellectual Disabilities IES-IDs, International Trauma Questionnaire – Intellectual Disabilities ITQ-ID, Lancaster and Northgate Trauma Scale LANTS) bei ausreichender sprachlicher Kompetenz bei Personen mit Störung der Intelligenzentwicklung (SIE) und V.a. (k)PTBS zur Erfassung und Bewertung der (k)PTBS
- Techniken zur Selbstregulation und Stressbewältigung an den Schweregrad der Störung der Intelligenzentwicklung (SIE) adaptieren.
- Einsatz vor dem Beginn einer traumafokussierten Therapie, wenn massive emotionale Dysregulation und extreme Erregungszustände mit Selbst- & Fremdgefährdung vorliegen
- v.a. bei niedrigem sozio-emotionalen Entwicklungsstand Strategien der assistierten bzw. interaktiven Affektregulation für die Person mit SIE zusammen mit ihren Bezugspersonen (Familienmitglieder, jeweils verantwortliche Mitarbeiter*innen in Institutionen) erarbeiten
- Schwere und das genauere Profil der Störung der Intelligenzentwicklung (SIE), des expressiven und rezeptiven Kommunikationsvermögens, der sozio-emotionale Entwicklungsstand sowie ggf. psychomotorische Einschränkungen für die Behandlungsplanung und Anpassung des therapeutischen Settings neben der Diagnostik der psychischen Erkrankung(en) berücksichtigen (z.B. durch das Verwenden Leichter Sprache, Anpassung von Therapiematerial sowie Hilfsmitteln zur Veranschaulichung und Kommunikation)
- traumafokussierte Methoden bei entsprechender Indikation (vergl. allgemeine Empfehlungen) auch bei Menschen mit leichter bis mittelgradiger Störung der Intelligenzentwicklung (SIE) und (k)PTBS erwägen, um die Symptome einer (k)PTBS wirksam zu reduzieren
- Methode der Konfrontation entsprechend der Schwere der Störung der Intelligenzentwicklung (SIE) auswählen und anpassen, um die Wirksamkeit der Intervention nicht durch mangelnde Passung zu gefährden
- bei unzureichendem Ansprechen auf Psychotherapie medikamentöse Behandlung mit Serotonin-(SSRI)- oder Serotonin/Noradrenalin-(SNRI)-Wiederaufnahmehemmern entsprechend den allgemeinen Empfehlungen erwägen
- bei der Gabe von Medikamenten bei Personen mit SIE und (k)PTBS auf das erhöhte Interaktionsrisiko bei Polypharmazie und die Nebenwirkungsrate achten (bei Eindosierung mit niedriger Anfangsdosis beginnen und auf langsames Aufdosieren achten; Zieldosis im Bedarfsfall anhand des Plasmaspiegels bestimmen)
PTBS bei Kindern & Jugendlichen
Diagnostik der PTBS bei Kindern & Jugendlichen
- Erhebung einer differenzierten kindlichen Traumaanamnese in Form eines Selbst- und eines Fremdberichtes soll Teil der Befunderhebung bei allen psychodiagnostischen Abklärungen im Kindes- und Jugendalter sein
- ab Alter ≥ 7 Jahren soll bei Vorliegen eines oder mehrerer potenziell traumatischer Ereignisse die PTBS-Diagnostik gemäß klinischen Kriterien basierend auf der ICD-11 oder dem DSM-5 erfolgen (CAVE: entwicklungsangepasste Symptomvarianten für die jeweilige Altersgruppe berücksichtigen)
- bei Alter ≤ 6 Jahren soll bei Vorliegen eines oder mehrerer potenziell traumatischer Ereignisse die PTBS-Diagnostik anhand der DSM-5 Kriterien für das Vorschulalter erfolgen
- ab Alter ≥ 7 Jahren soll bei Vorliegen eines oder mehrerer potenziell traumatischer Ereignisse die kPTBS-Diagnostik gemäß klinischen Kriterien basierend auf der ICD-11 erfolgen (CAVE: entwicklungsangepasste Symptomvarianten für die jeweilige Altersgruppe berücksichtigen)
- Nutzung spezifischer sowie valider und reliabler Instrumente (Screeningverfahren und/oder Interview) gemäß den DSM-5 (z.B. CATS-2 oder CAPS-CA-5) – oder ICD-11-Kriterien (z. B. ITQ-CA oder CATS-2) bei Vorliegen eines oder mehrerer potenziell traumatischer Ereignisse im Rahmen einer PTBS
- Nutzung spezifischer sowie valider und reliabler Instrumente (Screeningverfahren und/oder Interview) gemäß den ICD-11-Kriterien (z. B. ITQ-CA oder CATS-2) bei Vorliegen eines oder mehrerer potenziell traumatischer Ereignisse im Rahmen einer kPTBS
Behandlung der PTBS bei Kindern & Jugendlichen
- keine Psychopharmakotherapie in der Therapie der PTBS bei Kindern und Jugendlichen
- traumafokussierte Psychotherapie im Einzelsetting bei Kindern und Jugendlichen mit einer PTBS, bei der der Schwerpunkt auf der Auseinandersetzung mit den traumatischen Ereignissen und den dazugehörigen Kognitionen, Emotionen und Erinnerungen liegt
- Kinder:
- umfassendste Evidenz: Traumafokussierte Kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT nach Cohen et al.)
- weitere Evidenz: Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), Narrative Expositionstherapie (KidNET) bei kriegstraumatisierten aus LMICs
- Jugendliche:
- umfassendste Evidenz: Traumafokussierte Kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT nach Cohen et al.)
- weitere Evidenz: Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), Narrative Expositionstherapie (KidNET) bei kriegstraumatisierten aus LMICs, Prolongierte Exposition (PE), Kognitive Verarbeitungstherapie (Cognitive Processing Therapy, CPT), Kognitive Therapie (CT-PTSD)
- Kinder:
- keine Evidenz zur Behandlung von Kindern mit PTBS-Symptomen < 3 Jahre (basierend auf klinischem Urteil traumainformierte Interventionen zusammen mit einer für das Kind bedeutsamen Bezugsperson anbieten)
- traumafokussierte Interventionen zur Behandlung der PTBS bei Kindern und Jugendlichen auch bei kPTBS
- bei Nichtansprechen oder bei Restsymptomatik nach Durchführung einer traumafokussierten Psychotherapie zur Behandlung der kPTBS bei Kindern und Jugendlichen können danach weitere Interventionen zur Reduktion der Restsymptomatik oder eine Verlängerung der traumafokussierten Interventionen angeboten werden
- keine Evidenz für die generelle Notwendigkeit einer der traumafokussierten Psychotherapie vorausgehenden Stabilisierungsphase bei Kindern und Jugendlichen
- Eltern oder andere bedeutsame Bezugspersonen in die Behandlung bei Kindern und Jugendlichen mit einbeziehen
- traumafokussierte Psychotherapie im Gruppensetting, wenn keine traumafokussierte Psychotherapie im Einzelsetting angeboten werden kann, insbesondere nach Großschadensereignissen
allgemeine Behandlungsprinzipien
- diagnostische, therapeutische und versorgungsbezogene Entscheidungen entsprechend dem Konzept der partizipativen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making)
- unterschiedlichen Optionen mit ihren Vor- und Nachteilen bei der Aufklärung und Information über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten der (k)PTBS umfassend und in verständlicher Form darstellen
- Hausärzt*innen in die Versorgung ihrer Patient*innen mit (k)PTBS kooperativ mit einbeziehen
- auf Gewalterfahrungen und Symptome einer (k)PTBS im m Hinblick auf Diagnostik und Therapie achten, v.a. in der Peripartalphase (betrifft traumatische Erlebnisse in der Vorgeschichte, peripartale Traumatisierung inklusive deren Auswirkungen auf alle Beteiligten und das Familiensystem)
- zahnärztliche Vorstellung bei Personen mit PTBS und Kiefergelenksschmerz/Kaumuskulaturschmerz, um ggf. eine adjuvante zahnärztliche Therapie bei schmerzhafter craniomandibulärer Dysfunktion zu veranlassen
- Eine an die traumafokussierte Behandlung der (k)PTBS-Symptomatik anschließende Rehabilitation anbieten, wenn weiterhin relevante Einschränkungen oder eine Gefährdung der Teilhabe am Erwerbsleben oder der Gesellschaft bestehen oder aus Krankheitsgründen eine berufliche Umorientierung notwendig wird
- bei Hinweisen auf Partnerschaftsgewalt (Häusliche Gewalt) Patient*innen mit (k)PTBS Einbezug des spezifischen Fachberatungssystems in die Behandlung anbieten
- traumafokussierte Psychotherapie kann nach ausführlicher Aufklärung auch bei laufendem oder ausstehendem Gerichtsverfahren angeboten werden
- alle Einrichtungen, die sich an der Gesundheitsversorgung von Menschen mit (komorbider) (k)PTBS beteiligen, darin schulen, TraumaInformed Care (TIC) als standardisierten und integralen Ansatz zu verwenden


Sei der Erste der einen Kommentar abgibt