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Leitlinie „Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen“ der DGN

veröffentlichende Fachgesellschaft: Deutsche Gesellschaft für Neurologie
Klassifikation gemäß AWMF: S1
Datum der Veröffentlichung: 14.05.2015
Ablaufdatum: 13.05.2020
Quelle/Quelllink: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-036.html

Definition/Klassifikation

  • meist kurz dauernde Schmerzattacken mit nahezu obligat vorhandenen autonomen Begleitsymptomen wie Lakrimation, konjunktivale Injektion, Rhinorrhö, nasale Kongestion, Hyperhidrose, Hautrötung und Lidschwellung (Auftreten streng ipsilateral zum Schmerz)

episodische und chronische Clusterkopfschmerzen (CK)

  • attackenartig auftretender, streng einseitiger, extrem heftiger Kopfschmerz mit retroorbitalem Punctum maximum
  • Männer- und Frauen-Verhältnis: 3:1
  • Auftreten von autonomen Symptomen (HornerSyndrom, Lakrimation, Rhinorrhoe) gleichzeitig und ipsilateral zum Schmerz
  • pathologisches Schwitzen im Bereich der Stirn oder des Gesichtes, Rötung im Bereich der Stirn oder des Gesichtes und Völlegefühl im Ohr
  • Attacken treten bis zu 8-mal täglich mit nächtlicher Häufung
  • Dauer zwischen 15 und 180 Minuten
  • ausgeprägte Bewegungsunruhe (pacing around) während der Attacken
  • migräneartige Symptome wie Aura, Übelkeit, Phonound Photophobie können vorkommen

episodische und chronische paroxysmale Hemikranie (CPH)

  • plötzliche Auftreten von einseitigen attackenartigen Schmerzepsioden (paroxysmal)
  • Schmerzcharakter (messerstichartig-schneidend oder pulsierend)
  • Intensität (vernichtend)
  • Lokalisation (frontoorbital oder hemikraniell)
  • einzelne Schmerzepisoden sind durch Triggerfaktoren wie Alkohol auslösbar
  • Lakrimation oder Injektion der Konjunktiva als Begleitsymptome
  • wichtige Unterschiede zum Clusterkopfschmerz: kürzere Dauer einzelner Attacken (2–45 min), höhere Häufigkeit (5–40, durchschnittlich 10 Attacken täglich), autonome Begleitsymptome oftmals weniger stark ausgeprägt

Hercrania Continua (HC)

  • streng unilaterale Kopfschmerzen und wechseln nie die Seite
  • stetig, aber in der Stärke über den Tag undulierend vorhanden, ohne komplett zu sistieren
  • milde autonome Symptome wie Lakrimation, konjunktivale Injektion, nasale Symptome und Ptose/Miose – zumindest in den stärkeren Schmerzphasen
  • seltene bilaterale Fälle in der Literatur beschrieben
  • nicht selten als halbseitiger Kopfschmerz vom Spanungstyp oder chronische Migräne fehldiagnostiziert
  • selten können Migränesymptome wie Übelkeit, Lichtoder Lärmempfindlichkeit bei Verstärkung der Schmerzen auftreten

Short-lasting unilateral neuralgiform headache with conjunctival injection and tearing (SUNCT-Syndrom)

  • extrem kurz dauernde (15 Sekunden bis 2 Minuten) einschießende Attacken neuralgiformen Schmerzcharakters heftigster und nicht selten vernichtender Intensität
  • treten durchschnittlich bis zu 60-mal täglich auf (gelegentlich sogar bis zu 200-mal täglich) und sind streng einseitig periorbital
  • autonome Begleitsymptome beschränkt sich auf konjunktivale Injektion und obligatorisch ausgeprägte Lakrimation
  • Unterschiede zum Clusterkopfschmerz: wesentlich höhere Attackenfrequenz; kürzere Dauer einzelner Schmerzattacken; neuralgiformer Charakter der Schmerzen
  • DD Trigeminusneuralgie: ebenfalls elektrisierend einschießenden Schmerzepisoden in der Regel noch höher (bis zu mehreren 100-mal täglich); Fehlen von Begleitsymptomen; Triggerung der Attacken durch Kauen, Sprechen oder Kälte

Short-lasting unilateral neuralgiform headache attacks with cranial autonomic symptoms (SUNA-Syndrom)

  • moderat oder schwer, strikt einseitig und Sekunden bis wenige Minuten dauernde Kopfschmerzattacken
  • treten mindestens einmal pro Tag auf und sind üblicherweise mit ausgeprägten kranialen autonomen Symptomen vergesellschaftet
  • ausschließlich mit Lakrimation und gerötetem Auge ipsilateral zum Schmerz
    • eines der beiden genannten Symptome fehlt
    • wenn diese beiden autonomen Symptome und keine anderen autonomen Symptome vorhanden sind, handelt es sich um ein SUNCT-Syndrom

Therapie

  • Inhalation von 100 % Sauerstoff über Gesichtsmaske mit Rückatembeutel (Non-Rebreather-Maske) von 12 L/min über 15 – 20 min ist bei 78 % der Clusterpatienten wirksam Kortikoide wirksam, sollten als Mittel der ersten Wahl in der Regel aber nur kurzfristig (< 4 Wochen) verwendet werden (z.B. Prednison min. 1 mg/kg KG)
Published inLeitlinien kompakt

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