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Leitlinie „Diagnosis, Management, and Prevention of Button Battery Ingestion in Childhood“ der ESPGHAN

veröffentlichende Fachgesellschaft: European Society for Paediatric Gastroenterology Hepatology and Nutrition
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 01.07.2021
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1097/mpg.0000000000003048

Pathogenese

  • Pathomechanismen
    • Elektrolyse, also Stromerzeugung, welche beim Kontakt der Batterie mit dem Gewebe der Speisesäure vonstattengeht
      • durch Bildung von Hydroxid-Ionen kommt es zum pH-Anstieg und damit zur Verflüssigung und Nekrose von Gewebe
    • lokale Drucknekrosen
    • Korrosionsschäden durch ausgelaufenen Batterieinhalt
    • hohe Toxizität der enthaltenen Schwermetalle
  • bei Batteriendurchmesser > 20 mm und Patient*innen < 6 Jahren treten am häufigsten Verletzungen auf
  • Schäden/Verletzungen stark abhängig von der entstandenen Spannung und der Einwirkungsdauer

Symptomatik bzw. nachfolgende Komplikationen

  • Schäden des Atemtrakts
    • Perforation der Nasenscheidewand
    • intranasale Synechien (Verkleben/Verwachsen des Gewebes)
    • Trommelfellperforation
    • Lähmung des Gesichtsnervs
    • Verletzung des Nervus laryngeus recurrentis
    • Blutung der Schilddrüse
    • tracheo-ösophageale Fisteln
    • pulmonale Blutung
    • Bronchialverengung/-obstruktion
    • Lungenentzündung
  • Schäden des Gastrointestinaltraktes
    • Perforation der Speiseröhre
    • Ösophagus-Stenose
    • Perforation des Magens
    • Perforation des Dünndarms
  • andere Schäden
  • (massive) Blutungen
  • Mediastinitis
  • Spondylodiszitis

Diagnostik & Anamnese

  • zentrales Element der gesamten Diagnostik & Anamnestik ist das schnelle Erkennen des kritischen Notfallbildes (Zeitfenster < 2 Stunden)
  • zu bedenken ist die Unterschiedlichkeit der Symptomausprägung je nach Ort der Einwirkung
    • Symptome können sehr variabel und v.a. unspezifisch sein
  • in den meisten Fällen kommt es zu…
    • … akuten gastrointestinalen Symptomen wie Erbrechen, Dysphagie (auch Odynophagie), Sabbern
    • … akuten respiratorischen Symptomen wie Husten, Stridor, Kurzatmigkeit
    • … Reizbarkeit
  • sofern die Ingestion schon Stunden bis Tage oder sogar Wochen zurückliegt kommt es vor allem zu…
    • gastrointestinalen Symptomen wie Hämatemesis oder Hämoptyse sowie Teerstuhl, Bauchschmerzen, Gewichtsverlust
    • respiratorischen Symptomen wie Brustschmerzen, Husten, Stridor, Heiserkeit, Halsschmerzen
    • Fieber
    • ggf. auch starken, akuten Blutungen

Therapie

  • Vorgehen nach ABCDE-Schema
  • bei Atemwegsobstruktion, falls notwendig, Intubation
  • bei stabilen Patient*innen > 1 Jahr, welche in der Lage sind zu schlucken und bei denen die Ingestion weniger als 12 Stunden her ist, die orale Gabe von Honig oder innerklinisch Gabe von Sucralfate in Betracht ziehen, wenn dies die Endoskopie nicht verzögert
  • schnellstmöglicher Transport in Klinik mit pädiatrischer Abteilung sowie Möglichkeit der Endokospie
  • schnellstmögliche CT-Untersuchung zur Feststellung von Gefäßverletzungen und/oder zur Abklärung schwerer Schleimhautschäden, auch nach Endoskopie
Published inLeitlinien kompakt

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