Zum Inhalt springen

Leitlinie „Electrocardiograph (ECG)“ des Starship

veröffentlichende Fachgesellschaft: New Zealand’s National Children’s Hospital (Starship)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 12.02.2021
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://starship.org.nz/guidelines/electrocardiograph-ecg

Herzfrequenz

Altermittlere HerzfrequenzRange
Neugeborenes14590 – 180
6 Monate145106 – 185
1 Jahr132105 – 170
2 Jahre12090 – 150
4 Jahre10872 – 135
6 Jahre10065 – 135
10 Jahre9065 – 130
14 Jahre8560 – 120
#

Tachy-/Bradykardie

  • Tachykardie
    • Sinus-Tachykardie
    • supraventrikuläre Tachykardie
    • ventrikuläre Tachykardie
    • Vorhofflimmern
    • Vorhofflattern
  • Bradykardie
    • Sinusbradykardie
    • nodaler Rhythmus (Kammerersatzrhythmus)
    • Atrioventrikulärer Block

QRS-Achse

Bestimmung erfolgt über die Vektoren der Extremitätenleitungen

AlterMittelwertRange
1 Woche – 1 Monat+ 110°+ 30° bis + 180°
1 – 3 Monate+ 70°+10° bis +125°
3 Monate – 3 Jahre+ 60°+10° bis +110°
> 3 Jahre+ 60°+20° bis +120°
Erwachsene+ 50°-30° bis +105°

T-Wellen-Achse

  • bei Geburt i.d.R. in V1 aufrecht und wird bis zum vierten Lebenstag negativ
    • Persistenz der aufrechten T-Wellen in V1 deutet auf rechtsventrikuläre Hypertonie hin
  • T-Welle bleibt in den ersten 4-5 Jahren negativ (posterior und nach links gerichtet)
    • richtet sich erst allmählich anterior aus
    • T-Wellen in V2 – V6 sollten im Erwachsenenalter aufrecht sein

PR-Intervall in Abhängigkeit von HF und Alter

  • PR-Intervall-Messung (i.d.R. in Ableitung II)
    • Beginn P-Welle bis Beginn des QRS-Komplex (also eigentlich PQ-Intervall)
  • verlängertes PR-Intervall (AV-Block 1. Grades) deutet auf verzögerte Erregungsleitung von den Vorhöfen zu den Herzkammern hin
    • z.B. bei Erkrankungen wie Myokarditis, rheumatischen Herzerkrankungen, Medikamentenvergiftung, Hyperkaliämie und Ischämie
    • bei gesunden Kindern ggf. auch als Normvariante
  • kurzes PR-Intervall tritt z.B. bei Präexzitationssyndromen und Glykogenspeicherkrankheiten auf
  • Legende zur Tabelle: Mittelwert (obere Grenze der Normwerte)
HF0 – 1 Monat1 – 6 Monate6 – 12 Monate1 – 3 Jahre3 – 8 Jahre8 – 12 Jahre12 – 16 JahreErwachsene
< 600.16 (0.18)0.16 (0.19)0.17 (0.21)
60 – 800.15 (0.17)0.15 (0.17)0.15 (0.18)0.16 (0.21)
80 – 1000.10 (0.12)0.14 (0.16)0.15 (0.16)0.15 (0.17)0.15 (0.20)
100 – 1200.10 (0.12)(0.15)0.13 (0.16)0.14 (0.15)0.15 (0.16)0.15 (0.19)
120 – 1400.10 (0.11)0.11 (0.14)0.11 (0.14)0.12 (0.14)0.13 (0.15)0.14 (0.15)0.15 (0.18)
140 – 1600.09 (0.11)0.10 (0.13)0.11 (0.13)0.11 (0.14)0.12 (0.14)(0.17)
160 – 1800.10 (0.11)0.10 (0.12)0.10 (0.12)0.10 (0.12)
> 1800.090.09 (0.11)0.10 (0.11)

Dauer und Amplitude der P-Welle

  • Amplitude normalerweise < 3 mm
  • große P-Well weist auf rechtsatriale Hypertrophie hin
  • max. Dauer der P-Wellen
    • bei Kindern: < 0,10 Sekunden
    • bei Säuglingen: 0,08 Sekunden
  • verlängerte P-Welle weist i.d.R. auf Hypertrophie des linken Vorhofs hin

QRS-Dauer in Abhängigkeit vom Alter

Alter0 – 1 Monat1 – 6 Monate6 – 12 Monate1 – 3 Jahre3 – 8 Jahre8 – 12 Jahre12 – 16 JahreErwachsene
Sekunden0.05 (0.07)0.055 (0.075)0.055 (0.075)0.055 (0.075)0.06 (0.075)0.06 (0.085)0.07 (0.085)0.08 (0.10)

QT-Intervall

  • Beginn der Q-Welle bis Ende der T-Welle
  • Messung normalerweise in den Ableitungen II und V5
  • Ende der T-Welle ggf. schwer zu erkennen
  • QT-Intervall variiert mit der Herzfrequenz, daher korrigierende Berechnung über die Bazett-Formel: QTc = QT (gemesen)/√RR-Intervall

R- & S-Spannung je nach Ableitung und Alter

  • Legende zur Tabelle: Mittelwert (obere Grenze der Normwerte)
  • Spannung in Millimetern gemessen; 1 mV = 10 mm Papier

R-Spannung

Ableitung0 – 1 Monat1 – 6 Monate6 – 12 Monate1 – 3 Jahre3 – 8 Jahre8 – 12 Jahre12 – 16 Jahrejunge Erwachsene
I4 (8)7 (13)8 (16)8 (16)7 (15)7 (15)6 (13)6 (13)
II6 (14)13 (24)13 (27)13 (23)13 (22)14 (24)14 (24)9 (25)
III8 (16)9 (20)9 (20)9 (20)9 (20)9 (24)9 (24)6 (22)
aVR3 (8)2 (6)2 (6)2 (5)2 (4)1 (4)1 (4)1 (4)
aVL2 (7)4 (8)5 (10)5 (10)3 (10)3 (10)3 (12)3 (9)
aVF7 (14)10 (20)10 (16)8 (20)10 (19)10 (20)11 (21)5 (23)
V4R6 (12)5 (10)4 (8)4 (8)3 (8)3 (7)3 (7)
V113 (24)10 (19)10 (20)9 (18)8 (16)5 (12)4 (10)3 (14)
V218 (30)20 (31)22 (32)19 (28)15 (25)12 (20)10 (19)6 (21)
V512 (23)20 (33)20 (31)20 (32)23 (38)26 (39)21 (35)12 (33)
V65 (15)13 (22)13 (23)13 (23)15 (26)17 (26)14 (22)10 (21)

S-Spannung

Ableitung0 – 1 Monat1 – 6 Monate6 – 12 Monate1 – 3 Jahre3 – 8 Jahre8 – 12 Jahre12 – 16 Jahrejunge Erwachsene
I5 (10)4 (9)4 (9)3 (8)2 (8)2 (8)2 (8)1 (6)
V4R4 (9)4 (12)5 (12)5 (12)5 (14)6 (20)6 (20)
V17 (18)5 (15)7 (18)8 (21)11 (23)12 (25)11(22)10 (23)
V218(35)15 (26)16 (29)18 (30)20 (33)21 (36)18 (33)14 (36)
V59 (17)7 (16)6 (15)5 (12)4 (10)3 (8)3 (8)
V63 (10)3 (9)2 (7)2 (7)2 (5)1 (4)1 (4)1 (13)

R/S-Verhältnis je nach Alter

Ableitung0 – 1 Monat1 – 6 Monate6 – 12 Monate1 – 3 Jahre3 – 8 Jahre8 – 12 Jahre12 – 16 JahreErwachsene
V1unterer Grenzwert0.50.30.30.50.10.150.10.0
Mittelwert1.51.51.20.80.650.50.30.3
oberer Grenzwert19S=0642111
V2unterer Grenzwert0.30.30.30.30.050.10.10.1
Mittelwert11.210.80.50.50.50.2
oberer Grenzwert3441.51.51.21.22.5
V6unterer Grenzwert0.11.5232.542.52.5
Mittelwert246202020109
oberer GrenzwertS=0S=0S=0S=0S=0S=0S=0S=0

Q-Spannung in Abhängigkeit von Ableitung und Alter

  • Legende zur Tabelle: Mittelwert (obere Grenze der Normwerte)
  • Spannung in Millimetern gemessen; 1 mV = 10 mm Papier
Ableitung0 – 1 Monat1 – 6 Monate6 – 12 Monate1 – 3 Jahre3 – 8 Jahre8 – 12 Jahre12 – 16 JahreErwachsene
III1.5 (5.5)1.5 (6)2.1 (6)1.5 (5)1.0 (3.5)0.6 (3)1.0 (3)0.5 (4)
aVF1.0 (3.5)1.0 (3.5)1.0 (3.5)1.0 (3)0.5 (3)0.5 (2.5)0.5 (2)0.5 (2)
V50.1 (3.5)0.1 (3)0.1 (3)0.5 (4.5)1.0 (5.5)1.0 (3)0.5 (3)0.5 (3.5)
V60.5 (3)0.5 (3)0.5 (3)0.5 (3)1.0 (3.5)0.5 (3)0.5 (3)0.5 (3)

Dauer der Q-Welle

  • durchschnittliche Q-Wellen-Dauer: 0,02 Sekunden
  • überschreitet 0,03 Sekunden nicht
  • typische und relevante Q-Wellen-Anomalien
    • Fehlen der Q-Welle in V6
    • Vorhandensein der Q-Welle in V1
    • sehr tiefe oder breite Q-Wellen

ST-Strecke

  • normale ST-Segment ist isoelektrisch
  • bei Säuglingen und Kindern kann in den Extremitätenableitungen eine Hebung oder Senkung von bis zu 1 mm normal sein
  • Hebung oder Senkung von bis zu 2 mm in den Brustwandableitungen können bei älteren Kindern und Jugendlichen normal sein

T-Welle

  • hohe, spitze T-Welle, z.B. bei
    • Hyperkaliämie
    • linksventrikulärer Hypertonie (Volumenüberlastung)
    • posteriorem Myokardinfarkt
  • flache oder niedrige T-Welle, z.B. bei
    • Neugeborene (normal/physiologisch)
    • Hypothyreose
    • Hypokaliämie
    • Hypo-/Hyperglykämie
    • Perikarditis
    • Myokarditis
    • Ischämie
    • Digitalis-Intoxikation

Kriterien für eine rechtsventrikuläre Hypertrophie

  • R in V1, V2 oder aVR > dem entsprechenden oberen Grenzwert für das jeweilige Alter
  • S in I und V6 > dem entsprechenden oberen Grenzwert für das jeweilige Alter
  • pathologisches R/S-Verhältnis in V1 und V2 > dem entsprechenden oberen Grenzwert für das jeweilige Alter (bei fehlendem Schenkelblock)
    • R/S-Verhältnis in V1 und V2 > dem entsprechenden oberen Grenzwert für das jeweilige Alter
      oder
      R/S-Verhältnis in V6 < 1 nach dem ersten Lebensmonat
  • steiles T in V1, das älter als 3 Tage ist, vorausgesetzt, dass das T in V5 und V6 steil ist
    • steiles T in V1 ist bei Patienten, die 6 Jahre oder älter sind, nicht abnormal
  • qR-Muster in V1
  • „Strain“-Muster: breiter QRS-T-Winkel mit T-Achse außerhalb des Normalbereichs (normalerweise 0 bis -90 Grad)

rechtsventrikuläre Hypertrophie bei Neugeborenen

  • S-Welle in Ableitung I > 12 mm
  • R-Welle in aVR > 8 mm
  • QRS-Achse > +180 Grad
  • relevante Anomalien in V1 wie
    • reine R-Welle (ohne S) > 10 mm
    • R-Welle > 25 mm
    • qR-Muster in V1
    • steile T-Welle in V1 bei Neugeborenen, die älter als 3 Tage sind (mit steilem T in V5 – V6)

Kriterien für eine linksventrikuläre Hypertrophie

  • R in I, II, III, aVL, AVF, V5 oder V6 > dem entsprechenden oberen Grenzwert für das jeweilige Alter
  • S in V1 oder V2 > dem entsprechenden oberen Grenzwert für das jeweilige Alter
  • pathologisches R/S-Verhältnis (R/S-Verhältnis in V1 und V2 < dem entsprechenden unteren Grenzwert für das jeweilige Alter
  • Q in V5 und V6 > 5 mm oder mehr sowie hohe symmetrische T-Wellen in denselben Ableitungen
  • „Strain“-Muster: breiter QRS-T-Winkel mit einer T-Achse außerhalb des Normalbereichs
    • invertierte T-Wellen in I oder aVF

Kriterien für eine kombinierte ventrikuläre Hypertrophie

  • Kriterien für eine rechtsventrikuläre Hypertrophie erfüllt
  • Kriterien für eine linksventrikuläre Hypertrophie erfüllt
  • große gleichphasige QRS-Komplexe in zwei oder mehr Extremitätenableitungen und in V2 bis V5 („Katz-Wachtel“-Phänomen)

Rechtsschenkelblock

  • QRS-Dauer > dem entsprechenden oberen Grenzwert für das jeweilige Alter
  • breites und pathologisches S in den Ableitungen I, V5 und V6
  • endständiges, pathologisches R‘ in aVR und den rechtsventrikulären Ableitungen (V4R, V1, V2)
  • ST-Strecken-Verschiebung und T-Wellen-Inversion (häufiger bei Erwachsenen)
  • rsR‘-Muster in V1 bei Säuglingen und Kleinkindern normal, sofern die QRS-Dauer nicht verlängert sowie die Spannung der primären oder sekundären R-Wellen nicht abnormal groß ist

Wolff-Parkinson-White-Syndrom

  1. kurzes PR-Intervall (kleiner als die Untergrenze für das jeweilige Alter)
    • < 12 Monate = 0,075 Sekunden
    • 1 – 3 Jahre = 0,080 Sekunden
    • 3 – 5 Jahre = 0,085 Sek.
    • 5 – 12 Jahre = 0,090 sec
    • 12 – 16 Jahre = 0,095 sec
    • Erwachsene = 0,120 sec
  2. Deltawelle (anfängliche Verlangsamung des QRS-Komplexes)
  3. breiterer QRS-Komplex als die Obergrenze für das jeweilige Alter

Bei Vorliegen eines WPW-Syndroms ist die Diagnose einer ventrikulären Hypertrophie unzuverlässig bzw. nicht/kaum möglich.

Published inLeitlinien kompakt

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert