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Leitlinie „Gastroenteritis – Emergency management in children“ des CHQ (UPDATE 2023)

veröffentlichende Fachgesellschaft: Queensland Hospital and Health Service
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 02.03.2023
Ablaufdatum: 02.03.2027
Quelle/Quelllink: https://www.childrens.health.qld.gov.au/qpec-statewide-guidelines/

Grundsätzliches

  • ca. 6,3 % aller Notfallaufnahmen
  • ca. 70 % der akuten infektiösen Diarrhöen ausgelöst durch virale Erreger wie Norovirus
    • ca. 15 % bakterielle Infektionen (am häufigsten Campylobacter und Salmonellen)

Symptome bzw. Red Flags

  • starke oder örtlich begrenzte abdominelle Schmerzen
  • Blähbauch und/oder hartes Abdomen
  • plötzlich auftretender Durchfall (lockerer/flüssiger Stuhl)
  • ggf. mit Erbrechen
  • galliges (grünes) Erbrechen
  • Blut im Stuhl oder Erbrochenem
  • Schläfrigkeit und/oder schlechtes Aussehen
  • hohes Fieber > 39 °C oder 38,5 °C bei Kindern < 3 Monate
  • Kopfschmerzen
  • Ausschlag
  • frühere gastrointestinale/chirurgische oder komplexe medizinische Vorgeschichte
  • Nichtansprechen auf die Standardtherapie
  • Reiserückkehrer

Anamnese & Diagnostik

  • Anamnese
    • gastrointestinale Symptome
      • Datum/Uhrzeit des Auftretens
      • Häufigkeit des Stuhlgangs/Erbrechens
      • Vorhandensein von Blut im Stuhlgang
      • Merkmale des Erbrechens, v.a. Inhalt und Farbe (z. B. Gallenfarbstoffe)
      • Ort und Schweregrad der Bauchschmerzen
    • andere Symptome wie Fieber, Hautausschlag, Kopfschmerzen
    • aktuelle Nahrungsaufnahme
    • aktuelle Urinausscheidung
    • medizinische Vorgeschichte
    • Krankheiten bei Kontaktpersonen
    • Reiseanamnese
  • Diagnostik
    • Diagnostik gemäß ABCDE-Schema
      • BZ-Messung bei Kindern, die sehr lethargisch sind oder nur sehr wenig Nahrung zu sich genommen haben
    • Ziel ist die schnelle Beurteilung des Hydratationszustands
keine DehydratationDehydratation
(5 – 10 % Flüssigkeitsverlust)
Schockzustand
(> 10 % Flüssigkeitsverlust)
Bewusstseinszustandwach und normale Reaktionenveränderte/verlangsamte ReaktionenBewusstseinsminderung
Hautfarbeunverändertunverändertblasse & marmorierte Haut
Extremitätentemperaturwarme Extremitätenwarme Extremitätenkalte Extremitäten
Augennicht eingesunkene Augeneingesunkene Augeneingesunkene Augen
Schleimhautstatusfeuchte Schleimhäutetrockene Schleimhäutetrockene Schleimhäute
HFnormalnormaltachykard
AFnormalleicht erhöhttachypnoeisch
peripher Pulsperiphere Pulse
normal & gut tasbar
periphere Pulse
normal & tasbar
schwache periphere Pulse
Rekap-Zeitnormalnormalverlängerte (> 2 sec)
Hautturgornormalnormalvermindert
RRnormalnormalHypotonie (dekompensierter Schock)

Risikofaktoren für Dehydratation

  • Alter < 1 Jahr, v.a. Frühgeborene und Säuglinge < 6 Monate
  • Säuglinge mit niedrigem Geburtsgewicht und Gedeihstörung
  • > 5 Mal Durchfall in den letzten 24 h, v.a. bei Säuglingen
  • aktuell kein/nur schweres Stillen möglich
  • Anzeichen von Unterernährung
  • Immunschwäche
  • zugrundeliegende chronische medizinische Erkrankungen

Differenzialdiagnosen

  • chirurgische Erkrankungen wie Appendizitis, Invagination, Darmverschluss, Malrotation mit Volvulus, Strangulationshernie, Hodentorsion
  • nicht-enterische Infektionen wie Sepsis, Harnwegsinfektion, Meningitis, Lungenentzündung, Otitis media, toxisches Schocksyndrom, endemische Infektionen bei Rückreisenden
  • Stoffwechselerkrankung wie DKA und angeborene Stoffwechselstörungen
  • Sonstige: hämolytisch-urämisches Syndrom, entzündliche Darmerkrankungen, erhöhter ICP, Verschlucken von Fremdkörpern

Therapie

  • Anlage pVK & Flüssigkeitsmanagement zum Ausgleich der Hydratation
    • medikamentöse Behandlung nicht routinemäßig empfohlen
    • Kind im Schockzustand
      • 20 mL/kg NaCl 0,9% als Bolus; ggf., wenn notwendig, wiederholen
  • ggf. Anlage Magensonde
    • Kind ohne klinische Dehydratations-Anzeichen
      • wenn möglich, kleine, regelmäßige Mengen oraler Flüssigkeitszufuhr (Ziel: 10 mL/kg/h)
  • 0,15 mg/kg Ondansetron, am besten oral oder sublingual (max. 8 mg)
    • 8 – 15 kg: 2 mg
    • 15 – 30 kg: 4 mg
    • > 30 kg: 8 mg (ggf. 6 mg, wenn dies näher an Berechnungsergebnis von 0,15 mg/kg ist)
  • keine routinemäßige Antibiotika-Gabe
  • ggf. andere Antiemetika wie Metoclopramid, Prochlorperazin oder Dexamethason
  • Antidiarrhoika, wie Loperamid, vermeiden (CAVE: Gefahr von Lethargie, paralytischem Ileus, toxischem Megakolon, ZNS-Depression, Koma und Tod)
  • Einweisungskriterien anhand Vitalparameter bezogen auf das Alter
< 1 Jahr1 – 4 Jahre5 – 11 Jahre> 12 Jahre
AF > 50 minAF > 40 minAF > 40 minAF > 30 min
HF < 90/min oder > 170/minHF < 80/min oder > 160/minHF < 70/min oder > 150/minHF < 50/min oder > 130/min
RR sys < 65 mmHgRR sys < 70 mmHgRR sys < 75 mmHgRR sys < 85 mmHg
SpO2 < 93 % bei O2-Gabe oder < 85 % bei RaumluftSpO2 < 93 % bei O2-Gabe oder < 85 % bei RaumluftSpO2 < 93 % bei O2-Gabe oder < 85 % bei RaumluftSpO2 < 93 % bei O2-Gabe oder < 85 % bei Raumluft
GCS ≤ 12GCS ≤ 12GCS ≤ 12GCS ≤ 12
Published inLeitlinien kompakt

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