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Leitlinie „Management of Acute Upper Gastrointestinal Bleeding in the Emergency Department“ der IAEM

veröffentlichende Fachgesellschaft: Irish Association for Emergency Medicine (IAEM)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 24.07.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://iaem.ie/professional/clinical-guidelines/

Grundsätzliches

  • Inzidenz von oberer gastrointestinale Blutung (UGIB) liegt weltweit bei etwa 40 – 150 Fällen pro 100.000 Einwohner*innen
  • anatomisch als Blutungen im Magen-Darm-Trakt proximal des Ligamentum Treitz definiert
  • häufige Ursachen einer UGIB sind Magengeschwüre (31 – 67 %), Gastritis oder Duodenitis (7 – 31 %), erosive Ösophagitis (4 – 24 %), Varizenblutungen (4 – 20 %), Mallory-Weiss-Risse (4 – 8 %), Malignome (2 – 8 %) sowie andere seltenere Ursachen wie arteriovenöse Malformationen (AVM) und aorto-enterische Fisteln
  • Risikofaktoren, die mit einem schlechteren Outcome assoziiert sind, sind fortgeschrittenes Alter und schwerwiegende medizinische Komorbiditäten
  • trotz der Fortschritte in der endoskopischen Therapie weist die UGIB in schweren Fällen nach wie vor eine Mortalität zwischen 2 – 15 % auf

Symptomatik

  • i.d.R. Hämatemese (entweder frisches Blut oder kaffeesatzartiges Erbrechen) oder Meläna
  • Hämatochezie ggf. im Zusammenhang mit massiver Blutung, dann oftmals auch mit hämodynamischer Instabilität
  • bei Meläna im Vergleich zu Patient*innen mit frischer Hämatemese i.d.R. niedrigere Hämoglobinwerte, da sich die Symptome eher verzögert zeigen

Anamnese

  • Begleiterkrankungen (Herzinsuffizienz, ischämische Herzkrankheit, Nierenfunktionsstörung, Malignom)
  • Vorliegen einer Lebererkrankung
  • Medikamente wie Antikoagulanzien, Thrombozytenaggregationshemmer und nichtsteroidale Antirheumatika
  • Alkoholmissbrauch

Risikobewertung

  • Red Flags sind u.a. Alkoholismus, bekannte Ösophagusvarizen, Einnahme von Antikoagulanzien sowie auffällige Vitalparameter (HF > 100/min, RRsys < 100 mmHg)
  • für UGIB-Patient*innen sind zahlreiche Risikobewertungsskalen entwickelt worden, darunter präendoskopische Skalen und Instrumente, die endoskopische Befunde einbeziehen
  • Glasgow-Blatchford-Score (GBS) wurde entwickelt, um Kombination aus klinischer Intervention oder Tod vorherzusagen –> geeignet für die Notaufnahme
    • bei geringem Risiko (GBS 0 – 1) ist sichere Entlassung und ambulant gastroenterologische sowie endoskopische Nachbehandelung möglich
    • bei Werten > 6 besteht ein Risiko von über 50 %, dass eine Intervention erforderlich ist
Glasgow-Blatchford Score

Management

  • initiale Versorgung
    • Anlage eines pvK (bei Instabilität zwei, großlumige pvK erwägen)
    • Laboruntersuchung (großes Blutbild, Nieren- & Leberwerte sowie Gerinnungswerte
    • Blutgruppenbestimmung und Kreuzprobe bei instabilen Patient*innen sowie Vorhaltung von Blutkonserven
    • Flüssigkeitstherapie i.v. bei instabilen Patient*innen, wenn kein Blut verfügbar bzw. noch nicht transfusionsbereit
    • frühzeitige Atemwegssicherung bei instabilen Patient*innen, v.a. bei solchen mit Bewusstseinsstörungen
    • Anlage Magensonder erwägen, um Magen vor Intubation therapeutisch zu entleeren und so das Aspirationsrisiko zu verringern
    • Sauerstoffgabe (Nasenbrille der O2-Maske vorziehen, sofern ausreichend, da dadurch das Aspirationsrisiko verringert werden kann)
  • Bluttransfusion
    • frühzeitige Bluttransfusion bei schwerer, aktiver Blutung empfohlen, unabhängig vom anfänglichen Hämoglobinspiegel (Schockindex > 1 sollte Anlass geben, eine Massivtransfusion in Betracht zu ziehen)
    • restriktiver Ansatz mit Erythrozyten-Transfusion (Ziel-Hämoglobingrenzwert: 7 – 9 g/dL und MAP von 60 – 65 mmHg) bei nicht-kritischer Blutung (CAVE: bei Patient*innen mit erheblichen Begleiterkrankungen, wie z.B. ischämischer Herz-Kreislauf-Erkrankung, höheren Hämoglobin-Zielwert in Betracht ziehen)
    • ggf. Massentransfusion sowie Substitution von Thrombozyten und FFP bei schwerer UGIB, um die hämostatische Reanimation zu unterstützen
  • medikamentöse Therapie
    • Protonenpumpenhemmer
      • Protonenpumpenhemmer haben in der initialen Phase bei schweren UGIB geringe Priorität (bei leichter UGIB 2x tgl. orale Gabe wahrscheinlich ausreichend; wenn orale Gabe nicht möglich, i.v.-Gabe)
      • ESGE empfiehlt Einleitung einer hochdosierten PPI-Therapie mittels i.v.-Bolus, gefolgt von kontinuierlicher Infusion bei Patient*innen mit akuter UGIB direkt vor dringlicher Endoskopie
    • Octreotid (Somatostatin-Analogon)
      • trägt durch Verringerung des splanchnischen Blutfluss zur Vorbeugung von erneuten Blutungen sowohl bei Patient*innen mit variköser als auch nicht-variköser UGIB bei (verstärkt Thrombozytenaggregation und hemmt Angiogenese)
    • Tranexamsäure
      • kein klinischer Nutzen bei akuter nicht-variköser UGIB, bei gleichzeitig höherer Inzidenz unerwünschter Ereignisse
    • Erythromycin
    • 250 mg Erythromycin i.v. 30 min vor Endoskopie bei V.a. Blutung aus Magengeschwür (erhöht Magenmotilität und verbessert Sichtbarkeit der Magenschleimhaut bei Endoskopie)
    • Antibiotika
      • antibiotische Prophylaxe bei akuter UGIB durch Varizenblutung vorteilhaft
    • Umkehrung der Antikoagulation
      • keine eindeutigen Empfehlungen zur Umkehrung der Antikoagulation bei UGIB
      • Beratung durch lokale hämatologische oder entsprechende Fachabteilung
      • bei Patient*innen unter Warfarin mit geringfügigen Blutungen kann Vitamin-K-Antagonist abgesetzt und die Gerinnungsstörung unter Berücksichtigung des kardiovaskulären Risikos korrigiert werden
      • bei hämodynamischer Instabilität Gabe von Vitamin K empfohlen, ergänzt durch Prothrombinkomplexkonzentrat oder FFP i.v., falls PCC nicht verfügbar ist
  • definitive Versorgung
  • definitive Versorgung einer akuten UGIB umfasst Endoskopie, die sowohl diagnostischen als auch therapeutischen Wert hat
  • gemäß NICE bei allen instabilen Patient*innen mit schwerer akuter UGIB unmittelbar nach Stabilisierung Endoskopie
  • bei allen anderen Patient*innen mit UGIB und GBS-Wert > 1 Endoskopie innerhalb von 24 h nach Aufnahme
Published inLeitlinien kompakt

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