veröffentlichende Fachgesellschaft: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
Klassifikation gemäß AWMF: S1
Datum der Veröffentlichung: 30.01.2026
Ablaufdatum: 29.01.2031
Quelle/Quelllink: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-141
Grundsätzliches
- Definition „Lumbalpunktion (LP)“
- Punktion des liquorgefüllten Subarachnoidalraums zur Gewinnung von Liquor cerebrospinalis zu diagnostischen Zwecken
- Klassifikation
- Ort der Liquorgewinnung
- lumbale Punktion
- subokzipitale Punktion (lateral oder medial)
- Ort der Liquorgewinnung
Indikationen
- Verdacht auf Meningitis, Enzephalitis, Myelitis, Neuroborreliose, Neurotuberkulose, Polyradikuloneuritis Guillain-Barré, chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuritis, Enzephalomyelitis disseminata, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen, Neurosarkoidose, Neurolupus, Subarachnoidalblutung, Meningeosis neoplastica (carcinomatosa etc., s. o.), Meningeosis lymphomatosa, idiopathische intrakranielle Hypertension, Normaldruckhydrozephalus
- Differenzialdiagnostik folgender Kernsymptome
- Kopfschmerz
- demenzielles Syndrom
Kontraindikationen
- erhöhter Hirndruck
- Blutungsneigung
- absolute Kontraindikationen
- Thrombozytenzahl < 10000/µL
- Quick < 50 %
- INR > 1,8
- deutlich pathologische partielle Thromboplastinzeit (aPTT)
- relative Kontraindikationen
- Thrombopenie < 50.000/µL
- absolute Kontraindikationen
- Infektion im Verlauf des Punktionswegs
- fehlende Einwilligung bei einwilligungsfähigen Patient*innen
- fehlende Einwilligung bei Notfallindikationen
- in Notfallsituationen (z.B. bei klinischem V.a. akute bakterielle Meningitis), die keine Verzögerungen erlauben, kann LP (wie jede andere medizinisch erforderliche Maßnahme) bei nicht einwilligungsfähigen Patient*innen auch ohne Einverständniserklärung erfolgen (CAVE: es wird empfohlen, diese Abwägung schriftlich zu dokumentieren)
- Schwangerschaft
Durchführung
Aufklärung
- Vorgehen unterscheidet sich in Abhängigkeit von der Indikationsstellung zur Punktion und ist außerdem abhängig von der Bewusstseinslage
- Indikationsstellung ebenfalls dokumentieren
- Aufklärung sollte folgende Inhalte umfassen:
- Aufklärung über das Risiko und den Nutzen
- mgl. nachteilige Folgen bei Nichtdurchführung einer LP, abhängig von jeweiliger Verdachtsdiagnose
- Aufzeigen alternativer diagnostischer Verfahren
- Erklärung der technischen Durchführung der Punktion:
- Ablauf der Untersuchung
- Möglichkeit der Lokalanästhesie (falls Lokalanästhetikum verwendet wird, grundsätzlich auf mgl. Überempfindlichkeitsreaktionen hinweisen)
- Hinweise auf mögliche unerwünschte Wirkungen
- bei subokzipitaler Punktion zusätzlich hinweisen auf:
- Risiko einer zentral bedingten Kreislauf- oder Atmungsstörung
- Risiko einer Subokzipitalblutung bei atypischem Verlauf eines arteriellen Gefäßes
- Aufklärung über subokzipitale Punktion sollte alternative andere Punktionswege beinhalten
- nach Indikationsstellung, Ausschluss von Kontraindikationen, ausführlicher Aufklärung über Nutzen, Vorgehen und Risiken sowie dokumentiertem Einverständnis kann die Punktion im ambulanten oder stationären Rahmen erfolgen
technische Durchführung der LP
- Punktion sollte durch erfahrene Ärzt*innen oder unter Aufsicht erfahrener Ärzt*innen durchgeführt werden
- übliche Maßnahmen zur Desinfektion und Hygiene sind einzuhalten, z.B.
- Tragen steriler Handschuhe durch den Punktierenden/die Punktierende
- Verwendung eines sterilen Loch- oder Abdecktuchs
- lokale Oberflächendesinfektion der Haut mit mind. einem vorgeschalteten Reinigungsschritt (Haut mit sterilem Tupfer abwisch; vom Hersteller vorgegebene Einwirkzeit des Desinfektionsmittels beachten; Hautbehaarung vorher entfernen)
- Kontamination der Kanüle ist durch geeignete Maßnahmen zu vermeiden, z.B.
- Zureichen unter sterilen Bedingungen
- Vermeidung des Kontakts mit der Kleidung oder der Unterlage
- Empfehlungen, unter welchen Bedingungen eine Gesichtsmaske getragen werden sollte:
- Vorliegen eines respiratorischen Infekts bei Punktierenden, Assistenzpersonal oder Patient*innen
- Injektion von Flüssigkeiten in den Liquorraum
- LP unter Ausbildungsbedingungen (begleitet von Erklärungen oder Anweisungen)
- Durchführung weiterer diagnostischer Maßnahmen (z. B. Liquordruckmessung) mit erhöhtem Zeitaufwand
- V.a. aerogen übertragbare Infektion (z. B. Meningokokkenmeningitis) zum Eigenschutz
- in allen anderen Fällen erwägen, ob nicht ebenfalls Gesichtsmaske von Punktierenden getragen werden sollte, da Aufwand gering und potenzieller Nutzen substanziell ist
- Lokalanästhesie nicht generell empfohlen (individuelle Entscheidung; etwa 2 mL einer 1 – 2-%-Lidocainlösung oberflächennah; CAVE: Punktion des Spinalkanals unbedingt vermeiden)
- Punktionsnadel
- Auswahl der Punktionsnadel beeinflusst nach verschiedenen Studien das Auftreten postpunktioneller Komplikationen
- bei Auswahl der geeigneten Nadel Risiko postpunktioneller Komplikationen gegen Nachteil der notwendigen Punktionszeit und Erfahrung mit jeweiliger Punktionsnadel und Punktionstechnik abwägen
- Punktionsnadeln mit mittlerem Durchmesser stellen sinnvollen Kompromiss dar
- Punktionsort
- LP zwischen dem 3. und 5. Lendenwirbeldornfortsatz
- Punktion oberhalb LWK 2/3 aufgrund der anatomischen Gegebenheiten (Conus medullaris reicht in 94 % der Fälle bis LWK 1/2) vermeiden
- bei vorliegender Bildgebung der LWS ggf. die am besten geeignete Punktionshöhe ermitteln
- Indikation für subokzipitale Punktion ergibt sich nur in sehr seltenen Ausnahmefällen, wenn bei dringender Indikation lumbal kein Liquor gewonnen werden kann oder pathologisch-anatomische Gegebenheiten (z. B. lokaler Abszess) Kontraindikation für lumbale Durchführung darstellt
- Risiken, Nebenwirkungen, Komplikationen
- häufige Nebenwirkungen (> 10 %)
- lokaler Schmerz an der Punktionsstelle (5 – 35 %)
- postpunktionelles Syndrom (10 – 30 %)
- häufige Nebenwirkungen (1 – 10 %)
- akute transiente lumbale Wurzelreizsymptomatik (1 – 5 %)
- Kreislaufreaktionen bis hin zu Synkopen (1 – 3 %)
- lokale leichte Blutung (1 – 2 %)
- häufige Nebenwirkungen (> 10 %)


Sei der Erste der einen Kommentar abgibt