Der International Self‑Care Day findet jährlich am 24. Juli statt. Er wurde 2011 von der International Self‑Care Foundation initiiert und soll symbolisch die Idee 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche betonen.
Selbstfürsorge in der Notfallmedizin
Selbstfürsorge wird häufig als privates Thema verharmlost. In der Notfallmedizin ist sie jedoch organisational relevant: Sie beeinflusst Fehlerquoten, Teamkohäsion („Wir-Gefühl“ und der Zusammenhalt in einer Gruppe) und die Fähigkeit, in kritischen Situationen klar zu entscheiden. Belastungsfaktoren wie:
- Schichtarbeit und zircadiane Dysregulation
- Reanimationssituationen und Traumaversorgung
- Moral Distress bei Ressourcenknappheit
- hohe Entscheidungsdichte pro Schicht
führen nachweislich zu kognitiver Ermüdung, Burnout & schlechterer Patient*innensicherheit. Studien zeigen, dass bis zu 60 – 70 % der Beschäftigten im Akut- und Notfallbereich Symptome von Burnout aufweisen (West et al., JAMA 2018).
Selbstfürsorge schützt Patient*innen
Selbstfürsorge ist ein Sicherheitsmechanismus. Sie stabilisiert:
- Situational Awareness – erschöpfte Teams übersehen mehr
- Kommunikation – Stress reduziert Empathie und Klarheit
- Entscheidungsqualität – Überlastung verschiebt Risikoabwägungen
- Teamkohäsion – resiliente Teams arbeiten präziser und koordinierter
Die WHO und die National Academy of Medicine in den USA betonen:
Gesundheitspersonal kann nur dann sichere Versorgung leisten, wenn es selbst geschützt ist.
evidenzbasierte Selbstfürsorge für Notfallmediziner*innen
- Mikropausen – 30 – 90 Sekunden zur Reorientierung (hilft nachweislich wirksam gegen kognitive Ermüdung)
- Schlafhygiene – strukturierte Routinen trotz Schichtarbeit
- Peer‑Support – reduziert Moral Distress und stärkt Teamkohäsion
- Atemtechniken – physiologische Reset‑Strategien in Sekunden
- Sport – aktiviert biologische, psychologische & soziale Schutzmechanismen
- Debriefings – emotionaler und kognitiver Abschluss nach kritischen Fällen
- Grenzen setzen – schützt vor chronischer Überlastung
Selbstfürsorge als Organisationsauftrag
Selbstfürsorge ist nicht nur individuell, sondern strukturell:
- Dienstpläne müssen Pausen ermöglichen
- Führungskräfte müssen Selbstfürsorge vorleben
- Fehlerkultur statt Schuldzuweisung
- Supervision und psychosoziale Unterstützung müssen verfügbar sein
Organisationen, die Selbstfürsorge fördern, haben nachweislich weniger Fehlerraten, weniger Mitarbeitende mit Burnout und eine bessere Teamkommunikation.
Quellen
- Adam, Daniela, Julia Berschick, Julia K. Schiele, u. a. „Interventions to Reduce Stress and Prevent Burnout in Healthcare Professionals Supported by Digital Applications: A Scoping Review“. Frontiers in Public Health 11 (Oktober 2023). https://doi.org/10.3389/fpubh.2023.1231266.
- Daneshvar, Elahe, und Steffen Otterbach. „Workplace stressors and burnout among healthcare professionals: Insights from the pandemic and implications for future public health crises“. Scientific Reports 15 (November 2025): 42015. https://doi.org/10.1038/s41598-025-21540-2.
- Heymann, Eric P., Valerie Romann, Rod Lim, u. a. „Physician Wellbeing and Burnout in Emergency Medicine in Switzerland“. Swiss Medical Weekly 154, Nr. 5 (2024): 3421–3421. https://doi.org/10.57187/s.3421.
- Hiller, Lisa, André Heinz, und Marcel Pietsch. „Herausforderungen und Interventionen im Rettungsdienst“. Notfall + Rettungsmedizin 29, Nr. 1 (2026): 31–38. https://doi.org/10.1007/s10049-025-01518-3.
- International Council of Nurses, Hrsg. „Position Statement – Mental Health“. Genf, 22. Oktober 2020. https://www.icn.ch/sites/default/files/2023-04/PS_A_Mental%20Health_1.pdf.
- International Self-Care Foundation. „Self-Care Day“. Zugegriffen 16. Juli 2026. https://isf-foundation.us/index.php?m=content&c=index&a=lists&catid=72&utm_source=copilot.com.
- Shanafelt, Tait D., Sonja Boone, Litjen Tan, u. a. „Burnout and Satisfaction with Work-Life Balance among US Physicians Relative to the General US Population“. Archives of Internal Medicine 172, Nr. 18 (2012): 1377–85. https://doi.org/10.1001/archinternmed.2012.3199.
- West, C. P., L. N. Dyrbye, und T. D. Shanafelt. „Physician Burnout: Contributors, Consequences and Solutions“. Journal of Internal Medicine 283, Nr. 6 (2018): 516–29. https://doi.org/10.1111/joim.12752.


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