Die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), der Kinderschutzbund, die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und das Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit (Bündnis KJG) sowie 80 weitere Organisationen (s.u.) haben am 10.09.2026 ein Positionspapier mit dem Titel „Kindeswohl in der Klimakrise – achten, schützen, gewährleisten“ veröffentlicht. Die Kurzfassung des Positionspapiers gibt es hier und heute passend zum Weltkindertag am 20.09. nachfolgend.
Kernforderungen
Klimaschutz als Rechtspflicht einhalten und durchsetzen
- Bund und Länder müssen die verfassungs- und völkerrechtlichen Vorgaben verbindlich umsetzen: Art. 20a GG, das Bundes-Klimaschutzgesetz sowie Art. 3, 6, 24, 26 und 27 UN-Kinderrechtskonvention
- Kindeswohl ist bei allen klimarelevanten Entscheidungen vorrangig zu berücksichtigen
Klimaanpassung an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen ausrichten
- Bund und Länder müssen Kommunen rechtlich ermächtigen und finanziell befähigen, Hitze- und Gesundheitsschutz für Kinder und Jugendliche vorrangig umzusetzen – von hitzeangepassten Jugendhilfen, Kitas und Schulen bis zu sicheren Schulwegen, begrünten Bewegungs- und Aufenthaltsorten, hitzeangepassten Spielplätzen und reduzierter Luftschadstoffbelastung
echte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sicherstellen
- Beteiligungsrecht (Art. 12 UN- Kinderrechtskonvention) ist im Grundgesetz zu verankern und durch verbindliche, ergebnisrelevante Formate auf allen Föderalebenen einzulösen
Warum jetzt handeln?
– Gesundheit: Hitze, Luftschadstoffe und längere Pollensaisons schädigen Kinder und Jugendliche stärker als Erwachsene – von Frühgeburtlichkeit bis zu Atemwegserkrankungen
– Psyche: klimabezogene Belastungen erhöhen Stress und Sorgen sowie Angst-, Depressions- und Traumafolgesymptome von Kindern und Jugendlichen
– Gerechtigkeit: Strukturell benachteiligte Kinder und Jugendliche und solche mit Vorerkrankungen trifft die Krise besonders hart – sie verschärft bestehende Ungleichheit
Recht: Solange diese Folgen hingenommen werden, bleiben Verfassungsrecht und UN-Kinderrechtskonvention im Alltag von Kindern und Jugendlichen uneingelöst
alle Forderungen
Klima- und Umweltschutz als Rechtspflicht einhalten und durchsetzen
- konsequente Umsetzung und Durchsetzung bestehender Klima- und Umweltvorgaben, insbesondere aus Art. 20a GG, dem Bundes-Klimaschutzgesetz und der UN-Kinderrechtskonvention
- Kinder haben ein Recht auf eine gesunde, nachhaltige Umwelt, Gesundheit und vorrangige Berücksichtigung ihres Wohls
- Deutschland muss daher den Weg zur Klimaneutralität bis 2045 einhalten und das Kindeswohl bei allen klimarelevanten Entscheidungen in den Mittelpunkt stellen
Klimaanpassung an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendliche ausrichten
- Bund und Länder müssen Kommunen mit klaren Zuständigkeiten und ausreichenden Mitteln ausstatten, damit sie den Hitze- und Gesundheitsschutz von Kindern und Jugendlichen wirksam umsetzen können, z.B.
- sichere Schulwege
- hitzeangepasste Bildungs- und Betreuungseinrichtungen
- gesunde Verpflegung, begrünte Aufenthaltsräume und klimafeste Spielplätze
- saubere Luft
- bewährte kommunale Hitze- und Klimaanpassungskonzepte sollten als Vorbild dienen
- Klimaanpassung und Klimaschutz müssen dabei gemeinsam und konsequent vorangetrieben werden
echte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sicherstellen
- Beteiligungsrecht von Kindern und Jugendlichen im Grundgesetz zu verankern und verbindliche Beteiligungsformate für klimapolitische Entscheidungen zu schaffen
- Perspektiven und Ideen von Kindern und Jugendlichen müssen von der Planung bis zur Umsetzung gehört, berücksichtigt und wirksam in Entscheidungen einbezogen werden
Handlungsempfehlungen
Kindeswohl-Vorrang und Generationengerechtigkeit in Gesetzgebung und Haushalt verankern
- Klima- und Umweltschutz bleibt wirkungslos, wenn er bei politischen Entscheidungen nachrangig behandelt wird
- Vorrang des Kindeswohls und das Prinzip der Generationengerechtigkeit verbindlich in Gesetzgebung und Haushaltsplanung verankern, z.B.
- verpflichtender Klima- und Kindeswohl-Check für Gesetze und Vorhaben mit relevanten Emissionen
- transparentes CO₂-Budget-Monitoring
- rechtlich verankerte Konsequenzen bei Zielverfehlungen
Bildung für nachhaltige Entwicklung und politische Bildung von Anfang an
- Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und politische Bildung verbindlich in allen Bildungsbereichen verankern
- Kinder und Jugendliche sollen frühzeitig Kompetenzen erwerben, um Demokratie sowie Klima- und Umweltthemen zu verstehen und aktiv mitzugestalten (entsprechende Aus-, Fort- und Weiterbildungen für pädagogische Fachkräfte fördern)
institutionalisierte Beteiligung mit realem Einfluss
- verbindliche und niedrigschwellige Beteiligungsformate notwendig, die Kindern und Jugendlichen direkten Einfluss auf politische Entscheidungen ermöglichen
- Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen sollte auch internationale Klimaverhandlungen einschließen
- sichtbare Erfolge und echte Mitgestaltung stärken Motivation, Selbstwirksamkeit und den konstruktiven Umgang mit Zukunftssorgen
ökologische Kinderrechtsperspektive als politischer Maßstab
- verbindliches Kinderrechte-Monitoring und verpflichtender Jugend-Check für politische Vorhaben auf allen Ebenen
- Verbände, Ombudsstellen und andere Interessenvertretungen sollen die Belange von Kindern und Jugendlichen dauerhaft, systematisch und mit verbindlichen Verfahren in Politik, Wirtschaft und Recht einbringen
transdisziplinäre Allianzen für ökologisches Kindeswohl
- wirksame Lösungen erfordern enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Praxis, Zivilgesellschaft und Politik
- dauerhaft finanzierte Netzwerke, gemeinsame Forschungsprojekte und verbindliche Beteiligungs- und Planungsstrukturen notwendig
unterzeichnende Organisationen
- Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind. Hilfen für Kiner mit Asthma, Ekzem oder Heuschnupfen (AAK) e. V. – gemeinnütziger Verein
- Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V.
- BAG Kinderinteressen e. V.
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e. V.
- Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e. V. (BDP)
- Bundesschüler*innenkonferenz
- Bundesverband Caritas Kinder- und Jugendhilfe e. V.
- BUNDjugend Bundesverband
- Bürger:innen-Initiative LOS4Klima
- Caritas-Jugendhilfezentrum Schnaittach
- Caritasverband für das Erzbistum Paderborn e.V.
- Changing Cities
- Childhood-Haus Ortenau
- Der Kinderschutzbund Darmstadt
- Der Paritätische Gesamtverband
- Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin
- Deutsche Kinderschutzstiftung Hänsel+Gretel
- DPtV Deutsche PsychotherapeutenVereinigung
- Deutscher Hebammenverband e. V.
- Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ)
- Deutsches Jugendinstitut
- Deutsches Kinderhilfswerk e. V.
- DGSF – Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e. V.
- Diakonie Erleben, Arbeiten und Lernen- Evangelische Jugendhilfe e. V.
- Duale Hochschule Baden-Württemberg Villingen-Schwenningen
- Erzbischöfliches Kinderheim Haus Nazareth
- Evangelische Hochschule Ludwigsburg
- Evangelische Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
- Fachhochschule Erfurt
- Families for Future
- Fridays for Future
- Gesunde Erde. Gesunde Kinder.
- GFO Josefshaus
- Greenpeace
- IN VIA Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit – Deutschland e. V.
- Johanniter-Jugend in der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.
- Jugendhilfe im Erzbistum Paderborn gGmbH
- Jugendhilfeverbund St. Elisabeth
- Kath. Kindertageseinrichtungen Ostwestfalen-Lippe gem. GmbH
- Katholische Jugendhilfe Dortmund
- Katholische Kindertageseinrichtungen Ruhr-Mark gem. GmbH
- Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) e. V.
- Kinderfreundliche Kommunen e. V.
- Kinder- und Jugendrechte in Eberstadt
- Kindernothilfe e. V.
- Kinderschutzbund LV NRW
- Kindertageseinrichtungen Östliches Ruhrgebiet gem. GmbH
- Kooperationsverbund Schulsozialarbeit
- Kreisjugendring München-Stadt
- Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung Baden-Württemberg e. V.
- Landesjugendring Brandenburg e. V.
- Landesjugendring NRW e. V.
- Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg
- Michaelshof Ziegelhütte e. V.
- Mobile Praxis gem. GmbH
- National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention e. V.
- NAJU (Naturschutzjugend im NABU)
- Netzwerk „Jugendhilfe nachhaltig. vernetzt.“
- Paul Gerhardt Werk
- Pax-Bank für Kirche und Caritas eG
- Psychologists 4 Future
- Psychotherapeutenkammer Bayern
- RCE BenE München e. V.
- Save the Children e. V.
- Schader-Stiftung
- Schmid Stiftung
- Schule im Aufbruch gGmbH
- Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Freiburg
- Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen gGmbH
- Systemische Gesellschaft e. V.
- Teachers for Future
- The Duke of Edinburgh’s International Award – Germany e. V.
- University of Stirling
- Weiterbildungsinitiative Frühpadagogische Fachkräfte
- WIR-KITAs gem. GmbH
- Zentrum Bildung in Kindheit und Jugend der EKHN
- Zentrum für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland – Junge Nordkirche
- ver.di-Jugend


Sei der Erste der einen Kommentar abgibt