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Konsenspapier „Anaesthesiologic management of patients at risk of pulmonary aspiration“ der SSAPM, SPSA & SIGA-FSIA

veröffentlichende Fachgesellschaft: Swiss Society for Anaesthesiology and Perioperative Medicine (SSAPM), Stiftung für Patientensicherheit in der Anästhesie (SPSA) & Schweizerische Interessengemeinschaft für Anästhesiepflege (SIGA-FSIA)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 20.04.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1186/s12871-026-03835-7

Risikobewertung & Standardarbeitsanweisung (SOP)

  • alle Abteilungen sollten eine SOP zur Steuerung der Behandlung von Patient*innen mit Aspirationsrisiko einführen, die die Risikostratifizierung, das Anästhesiemanagement und die Behandlung von Lungenaspirationen abdeckt
  • Einsatz der präoperative Magenultraschalluntersuchung bei unklarem Nüchternstatus, Notfall-OPs sowie bei Patient*innen, die GLP-1-Agonisten erhalten und gastrointestinale Symptome aufweisen
  • Verzicht auf eine Rapid-Sequence-Induktion (RSI) bei sonografischer Bestätigung eines leeren Magens nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung

Vorbereitung für und Übung der Rapid Sequence Induction (RSI)

  • Präoxygenierung mit FiO2 von 80 – 100 %
  • Überprüfung des intravenösen Zugangs
  • Bereitschaft zur Absaugung (inkl. Katheters mit großem Lumen)
  • vorbereiteter Endotrachealtubus mit Mandrin
  • endtidal O₂-gesteuert Präoxygenierung
  • klare Rollenverteilung im Team (benannter Teamleiter)
  • Einhaltung von Nüchternheitsrichtlinien (6 h für feste Nahrung, 2 h für Flüssigkeiten), sofern dies in Notfällen möglich ist
  • etCO2-Messung zur Bestätigung der Tubuslage
  • Vermeidung von langsam wirkenden Muskelrelaxanzien
  • Verzicht auf Krikoiddruck
  • Zulassung einer überwachten Atemwegsversorgung durch Assistenzärzt*innen oder Pflegekräfte
  • KEINE routinemäßige Gabe von Antazida und Prokinetika außerhalb der geburtshilflichen Anästhesie
  • nasogastrale Sonden vor Einleitung an Ort und Stelle zu belassen
  • konventionelle Laryngoskopie weiterhin durchführbar, sofern Videolaryngoskopie ohne Weiteres verfügbar ist

modified RSI

  • modifizierte RSI in Fällen mit erheblichem Risiko einer Hypoxämie oder beeinträchtigter Kreislauffunktion als praktikable Alternative zur konventionellen RSI
  • Vorbereitung der Ausrüstung, der Medikamente und des Personals auf modifizierte RSI
  • Verwendung derselben Dosis an Muskelrelaxanzien
  • Überdruckbeatmung mit bis zu 15 mbar (15,3 cmH2O) im Rahmen der modifizierten RSI durchführbar

Management von Aspirationsvorfällen

  • sofortige endotracheale Intubation oder Kopf-nach-unten-Lage mit anschließender endotrachealer Intubation im Falle einer Regurgitation
  • Extubation bei asymptomatischen Patient*innen mit pulmonaler Aspiration durchführbar
  • Bronchoskopie nach schwerer Aspiration
  • KEIN routinemäßiger Einsatz von Kortikosteroiden
  • KEINE routinemäßige Gabe von Antibiotika nach Regurgitation oder pulmonaler Aspiration
  • sichere Verlegung auf Normalstation bei asymptomatischen Patient*innen nach 3 h klinisch unkomplizierter Überwachung

Übersicht

Published inLeitlinien kompakt

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