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Leitlinie „Management of arterial ischaemic stroke in children“ des PIER

veröffentlichende Fachgesellschaft: Paediatric Innovation, Education and Research Network (PIER)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 18.02.2026
Ablaufdatum: 18.02.2029
Quelle/Quelllink:https://www.piernetwork.org/guidelines-stroke.html

Arterial Ischaemic Stroke in Children Pathway

Symptomatik

  • akutes fokales neurologisches Defizit/Hemiparese

  • Sprachstörungen

  • unerklärliche, anhaltende Bewusstseinsstörung (GCS ≤ 12 oder AVPU < V)

  • Kopfschmerzen
  • Krampfanfälle
  • Aphasie

  • Bewusstseinsstörung
  • Ataxie, Schwindel, Benommenheit
  • abgeklingendes akutes fokales neurologisches Defizit (auch vor KH-Einlieferung)

Notfallmanagement

  • Intubation bei GCS < 8 (AVPU = U), bei Verlust der Schutzreflexe oder bei V.a. bzw. nachgewiesen erhöhtem Hirndruck
  • Gabe von Highflow-Sauerstoff mit Ziel-SpO2-Wert von ≥ 92 %
  • Bolus von 10 ml/kg isotonischer Flüssigkeit bei Kreislaufstörung
  • BZ-Messung innerhalb von 15 min –> 2 mL/kg G10 bei BZ < 3 mmol/L (54 mg/dL) sowie Hypoglykämie-Screening in Betracht ziehen
  • Monitoring: RR, Temperatur, SpO2, HF, AF, GCS, PedNIHSS

Labordiagnostik

  • Blutgasanalyse
  • großes Blutbild, PT, APTT
  • Fibrinogen
  • Harnstoff und Elektrolyte
  • Blutzucker
  • Blutgruppenbestimmung
  • C-reaktives Protein
  • Leberfunktionstests
  • Ammoniak
  • Blutkulturen bei Bedarf

Einschluss- & Ausschlusskriterien für Thrombolyse bei akutem ischämischem Schlaganfall

Einschlusskriterien

  • Vorliegen eines akuten fokalen neurologischen Defizits, das mit arterieller Ischämie vereinbar ist
  • PedNIHSS von mind. 4 und max. 24 Punkten
  • Behandlung kann innerhalb von 4,5 Stunden nach bekanntem Symptombeginn erfolgen
  • Team der Tertiärversorgung muss Folgendes beurteilen:
    • intrakranielle Blutung wurde ausgeschlossen
      • CT zeigt normales Hirnparenchym oder minimale frühe ischämische Veränderungen ODER MRT zeigt akute Ischämie in der diffusionsgewichteten Bildgebung
      • CT-Angio ODER MRT-Angio zeigt partielle/vollständige Okklusion der intrakraniellen Arterie, die dem klinischen/radiologischen Defizit entspricht

Ausschlusskriterien

  • relative Ausschlusskriterien
    • Alter < 2 Jahre – Rücksprache mit dem Neurologieteam aus Tertiärversorgung
    • bekannte Sichelzellenanämie
  • klinisches Behandlungsteam soll vor Telefonkonferenz Folgendes beurteilen:
    • unbekannter Zeitpunkt des Symptombeginns
    • Schwangerschaft
    • Alter < 2 Jahre
    • klinisches Bild, das auf SAB hindeutet, auch wenn die Bildgebung des Gehirns keine Blutungen zeigt
    • Patient*innen, die eine Bluttransfusion ablehnen würden, falls diese indiziert wäre
    • Vorerkrankung mit intrakranieller Blutung
    • bekannte zerebrale arteriovenöse Malformation, Aneurysma oder Neoplasma
    • anhaltender RRsys >15 % über dem 95. Perzentil für das Alter im Sitzen oder Liegen
    • Glukose < 50 mg/dL oder > 396 mg/dL
    • Blutungsneigung, inkl. Thrombozytenzahl < 100000, PT > 15 s (INR > 1,4) oder erhöhte aPTT über oberen Normgrenzen
    • klinisches Bild, das mit akutem Myokardinfarkt oder Post-MI-Perikarditis vereinbar ist und vor Behandlung eine kardiologische Abklärung erfordert
    • vorangegangener Schlaganfall, schweres SHT oder intrakranielle OP innerhalb der letzten 3 Monate
    • größere OP oder Biopsie eines wichtigen Organs < 10 d (relative Kontraindikation)
    • gastrointestinale oder Harnwegsblutung < 21 d (relative Kontraindikation)
    • Arterienpunktion an nicht komprimierbarer Stelle oder Lumbalpunktion < 7 d (relative Kontraindikation)
    • Patient*innen, bei denen Herzkatheteruntersuchung über komprimierbare Arterie durchgeführt wurde, sind nicht ausgeschlossen
    • Patient*innen mit maligner Erkrankung oder innerhalb eines Monats nach Abschluss einer Krebsbehandlung
    • Patient*innen mit zugrunde liegender signifikanter Blutungsstörung
    • Patienten mit leichter Thrombozytenfunktionsstörung, leichter von-Willebrand-Krankheit oder anderer leichter Blutungsstörungen sind nicht ausgeschlossen
    • leichte Ausfallerscheinungen (PedNIHSS < 4 Punktw) zu Beginn der tPA-Infusion oder zum Zeitpunkt der Sedierung für die Neurobildgebung, falls zutreffend
    • schweres Defizit, das auf großflächigen Schlaganfall hindeutet, mit PedNIHSS-Wert vor tPA > 24 Punkte, unabhängig vom in der Neurobildgebung festgestellten Infarktvolumen
    • zuvor diagnostizierte primäre Angiitis des Zentralnervensystems (PACNS) oder sekundäre ZNS-Vaskulitis (fokale zerebrale Arteriopathie im Kindesalter stellt keine Kontraindikation dar)
    • bekannte Allergie gegen rekombinanten Gewebe-Plasminogenaktivator
    • bei Patient*innen, die innerhalb der letzten vier Stunden Heparin erhalten haben, muss aPTT im Normbereich liegen
    • Low-Molecular-Weight-Heparin (LMWH) innerhalb der letzten 24 h (aPTT und INR spiegeln Wirkung von LMWH nicht wider)

Alteplase-Gabe

  • Alter < 2 Jahre (inkl. Neonaten)
    • Dosis: 0,2 mg/kg i.v. über 60 min
    • Vorbereitung
      • Ampulle(n) der entsprechenden Stärke mit mitgeliefertem Wasser für Injektionszwecke auf Konzentration von 1 mg/mL verdünnen
      • Dosis anhand des Körpergewichts der Patient*innen berechnen
      • erforderliches Dosisvolumen aus der verdünnten Spritze aufziehen
      • jeden 1 mL der verdünnten Lösung weiter mit 4 mL NaCl 0,9 % verdünnen, um Endkonzentration von 0,2 mg/mL zu erhalten
      • 0,2 µg/kg/h = 1 mL/kg/h
      • Infusion so einstellen, dass sie über 60 min läuft
  • Alter >2 Jahre
    • Dosis: insgesamt 0,9 mg/kg i.v. (max. 90 mg)
      • erste 10 % (0,09 mg/kg) als Bolus i.v. über 1 – 2 min
      • restliche 90 % (0,81 mg/kg) als Infusion über 60 min
    • Vorbereitung
      • Ampulle(n) der entsprechenden Dosierung mit beiliegendem Wasser auf Konzentration von 1 mg/mL verdünnen
      • zwei Spritzen gleichzeitig vorbereiten
      • Inhalt der ersten Spritze mit 10 % der Dosis als Bolusinjektion i.v. (0,09 mg/kg) über 1 min verabreichen
      • Inhalt der zweiten Spritze mit 90 % der Dosis als Infusion (0,81 mg/kg) über 60 min verabreichen
      • wenn Infusionsdosis i.v. > 50 mg: verdünnte Dosis zu gleichen Teilen auf zwei 50-mL-Spritzen aufteilen –> 10 % der Dosis als Bolus über 1 min, gefolgt von 90 % der Dosis als Infusion über 60 min
Published inLeitlinien kompakt

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