Zum Inhalt springen

Leitlinie „Pediatric Sedation“ der CSPA

veröffentlichende Fachgesellschaft: Chinese Society of Pediatric Anesthesiology (CSPA)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 10.04.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1002/pan.70178

Kontinuum der Sedierungstiefe & Sedierungslevel

leichte Sedierung (Anxiolyse)mäßige Sedierung (bewusste Sedierung)tiefe SedierungVollnarkose
Reaktionsfähigkeitnormale Reaktion auf Ansprachegezielte Reaktion auf verbale oder taktile Reizegezielte Reaktion nach wiederholter oder schmerzhafter Stimulationnicht erweckbar, selbst auf Schmerzreiz
Atemwegnicht betroffenkeine Intervention erforderlichEingreifen ggf. erforderlichEingreifen oft erforderlich
Spontanventilationnicht betroffenangemessen vorhandenggf. unzureichendhäufig unzureichend
Herz-Kreislauf-Funktionnicht betroffeni.d.R. nicht betroffeni.d.R. nicht betroffenggf. beeinträchtigt

Beurteilungen vor Sedierung

  • vor Sedierung des Kindes Untersuchung bzgl. einer Infektion der oberen Atemwege
  • vor Sedierung des Kindes den Atemweg beurteilen, um Notwendigkeit einer Atemwegssicherung zu überprüfen bzw. festzustellen
  • vor Sedierung des Kindes Entwicklungsstand beurteilen

Beteiligung von Anästhesist*innen

  • Anästhesist*innen in die Sedierung von Kindern einbeziehen
  • bei Sedierungen mit einzelnem Wirkstoff (Dexmedetomidin oder Midazolam) bei Kindern mit ASA ≤ II Durchführung der Sedierung entweder von Anästhesist*innen oder von anderem qualifizierten Personal

Kompetenzen des Personals bei der Sedierung von Kindern

  • Schulung in pBLS für das gesamte an der Sedierung beteiligte Personal (CAVE: pALS-Ausbildung als Vorraussetzung für tiefe Sedierungen)
  • bei Kindern < 6 Jahre oder mit hohem Risiko Durchführung der Sedierung durch oberärztliches Personal (oder höher) bzw. Personal mit Erfahrung in der Kinderanästhesie
  • strukturierte Schulung in Sedierung für das gesamte an der Sedierung beteiligte Personal (inkl. Praxistraining/Simulation)

Arbeitsbedingungen für die Sedierung von Kindern

  • Vorhaltung von speziellen Räumlichkeiten für die Sedierung sowie Aufwachräumen für die Phase nach der Sedierung
  • grundlegene technische Ausstattung für Sedierungs- und Aufwachräume
    • Überwachungsmonitor mit Pulsoximetrie, EKG & RR-Messung sowie Kapnographie
    • manuelle Blutdruckmanschette und Stethoskop
  • Materialvorhaltung für Sedierungs- und Aufwachräume
    • Möglichkeit der Sauerstoffgabe mit Druckminderer (mind. 2 unabhängige Sauerstoffquellen)
    • Narkose- oder Beatmungsgerät
    • Beatmungsbeutel
    • Sauerstoffbrillen und -masken
    • Wendel- und Guedeltuben
    • supraglottische Atemwegshilfen (z.B. Larynxmasken)
    • Laryngoskope
    • Endotrachealtuben mit Führungsstab
    • Absauggerät
    • Defibrillatoren
    • Notfallmedikamente
    • Ausrüstung für kardiopulmonale Reanimation
    • Kommunikationsgeräte (Telefon o.Ä.)

Notfallpläne

  • Notfallprotokoll für Übelkeit, Erbrechen und refluxbedingte Aspiration während der Sedierung (unabhängig vom Nüchternstatus), um schwerwiegende unerwünschte Ereignisse zu verhindern
  • Notfallplan für Atemwegsbeeinträchtigungen oder Atemdepressionen (z. B. ETI, Notfallkoniotomie) sowie für hypoxiebedingte Hypotonie, Herzstillstand und andere kritische unerwünschte Ereignisse, v.a. für pädiatrische Hochrisikopatient*innen
  • Sedierungstiefe kontinuierlich überwachen und Notfallpläne für den Fall einer unzureichenden Sedierung sowie Überdosierung bereithalten

optimales Sedierungsschema für Kinder

  • leichte Sedierung bei Kindern –> orales Midazolam
  • moderate Sedierung von Kindern –> Dexmedetomidin
  • tiefe Sedierung von Kindern wird Sevofluran oder Kombinationstherapie
  • CAVE: sorgfältige, individuelle Risikobewertung, v.a. bei der Anwendung von Medikamenten wie Propofol, Remimazolam, Ciprofol, Dexmedetomidin, Esketamin, Etomidat oder Midazolam –> bei Off-Label-Use aufgrund der damit verbundenen Sicherheitsrisiken Gabe, wenn klinisch indiziert, unter direkter Aufsicht von qualifizierten Anästhesist*innen

Medikamente für fehlgeschlagene Sedierung

  • Dexmedetomidin und Sevofluran als Notfallmaßnahme bei fehlgeschlagener Sedierung
  • Propofol als Notfallmaßnahme bei fehlgeschlagener Sedierung

Entlassungskriterien für Kinder nach Sedierung

  • zur Beurteilung der Erholung nach Sedierung Instrumenten wie Aldrete-Score oder Steward-Score verwenden
0 Punkte1 Punkt2 Punkte
Aktivitätbewegt sich weder spontan noch nach Aufforderungbewegt zwei Extremitäten spontan oder nach Aufforderungbewegt vier Extremitäten spontan oder nach Aufforderung
AtmungApnoeLuftnot, eingeschränkte Atmungatmet tief, ausreichendes Husten
KreislaufBlutdruck +/- 50 % des Ausgangswertes vor NarkoseBlutdruck +/- 20 bis 49 % des Ausgangswertes vor NarkoseBlutdruck +/- 20 % des Ausgansgwertes vor Narkose
Bewusstseinreagiert nichtdurch Ansprache erweckbarvollkommen wach
SpO2SpO2 < 90 % bei O2-GabeSpO2 > 92 % bei O2-GabeSpO2 > 92 % bei Raumluft
Aldrete-Score: Entlassung bei ≥ 9 Punkten
BewusstseinAtemwegMotorik
wach (3 Punkte)Husten auf Kommando oder Weinen/Schreien (2 Punkte)zielgerichtete Bewegung der Extremitäten (2 Punkte)
Reaktion auf Ansprache (2 Punkte)freier Atemweg (1 Punkt)nicht-zielgerichtete Bewegung der Extremitäten (1 Punkt)
Reaktion auf Schmerzreiz (1 Punkt)Atemunterstützung benötigt (0 Punkte)keine Bewegung der Extremitäten (0 Punkte)
keine Reaktion (0 Punkte)
Steward-Score: Entlassung bei ≥ 5 Punkten

Nüchternheit vor und nach Sedierung

  • Befolgung der 1-4-6-Nüchternheitsrichtlinie für Kinder, die für geplante moderate bis tiefe Sedierung vorgesehen sind (2 h für klare Flüssigkeiten, 4 h für Muttermilch und 6 h für Säuglingsnahrung)
  • sobald die Kindern nach der Sedierung wach sind mit der Nahrungsaufnahme von klaren Flüssigkeiten beginnen und anschließend die Ernährung schrittweise erweitern

Überwachung während der Sedierung

  • routinemäßig Herzfrequenz und SpO2 sowie, sofern mgl. EKG, AF und RR
  • zusätzlich etCO2 bei Kindern mit Entwicklungsstörungen oder Risiko für Atemwegsbeeinträchtigung

Vorgehen bei verzögerter Erholung nach Sedierung

  • verzögerte Erholung = Zeitintervall von ≥ 2 h zwischen Abschluss des Sedierung und Erreichen der Entlassungskriteria
  • Entwicklung individueller Sedierungsprotokolle, die auf Gewicht, ambulantem Status, schon erfolgten Sedierungen und der gleichzeitigen Anwendung von Medikamenten mit synergistischer sedierender Wirkung basieren, um verzögerte Erholung nach Sedierung zu verhindern
  • Beurteilung und Management potenziell unerwünschter Ereignisse sowie kontinuierliche Überwachung der Vitalzeichen priorisieren
Published inLeitlinien kompakt

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert