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Leitlinie „Kniegelenkluxation“ der DGOU

veröffentlichende Fachgesellschaft: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie
Klassifikation gemäß AWMF: S2e
Datum der Veröffentlichung: 01.08.2020
Ablaufdatum: 30.07.2025
Quelle/Quelllink: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/012-025.html

präklinisches Management

Analyse des Unfallhergangs

  • Unfallmechanismus (ggf. Spontanreposition)
  • Kontakt- oder Nicht-Kontaktunfall
  • High velocity injuries, Low velocity Mechanismus, Ultra low velocity Mechanismus (Adipositas p.m., BMI > 40)
  • Hyperextensionstrauma

Notfallmaßnahmen und Transport

  • Repositionsversuch durch Längszug (keine gewaltsame Reposition irreponibler Luxationen)
  • Abdeckung offener Wunden
  • Schienung des Beines
  • Vermeiden weiterer Belastung des Kniegelenks
  • Kühlung Gelenks unter Vermeidung lokaler Kälteschäden
  • Analgesie
  • Ausschluss weiterer Begleitverletzungen (high velocity)
  • Zuweisung in ein Traumazentrum bei V.a. Gefäß-/Nervenschäden)

Dokumentation

  • Unfallzeit/Zeitpunkt der Reposition
  • Unfallablauf und Luxationsrichtung
  • Erstmaßnahmen
  • Periphere Durchblutung, Motorik, Sensibilität (repetitiv)
  • Kompartmentsyndrom
  • Untersuchungsbefund (keine Stabilitätsprüfung nach Reposition)
  • Rupturknacken, Zerreißungsgefühl
  • Auftreten von Gelenkerguss (kann fehlen durch Kapselruptur)
  • Funktionsbeeinträchtigung
  • Schmerzpunkte
  • Offene Wunden
  • Unfall im Rahmen der gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV, AUVA, SUVA)

Anamnese

  • Verletzungsmechanismus
    • Einteilung
      • High velocity injuries: VU, Sturz aus großer Höhe, Polytrauma, Anpralltrauma
      • Low velocity injuries: Kontakttrauma/ Sportverletzungen, Sturz aus geringer Höhe, Verdrehtrauma
      • Ultra low velocity injuries: Häufig Bagatelltrauma bei niedriger Rasanz aber hoher Energieeinwirkung beim adipösen Patienten (BMI > 40)
  • Traumamechanismus (adäquat vs. inadäquat in Bezug auf Traumarasanz)
  • detaillierte Schilderung der Unfallgeschehens
  • Richtung und Ausmaß der Krafteinwirkung
  • Rotationskomponente?
    • mögliches Ausmaß der Dislokation während des Unfallgeschehens mit möglicher Folge einer Gefäß- oder Nervenverletzung?
  • gesetzliche Unfallversicherung
    • in Deutschland muss der Patient bei allen Arbeitsunfällen, bei Unfällen auf dem Weg von und zur Arbeit, bei Unfällen in Zusammenhang mit Studium, Schule und Kindergarten sowie allen anderen gesetzlich versicherten Tätigkeiten einem zum Durchgangsarztverfahren zugelassenen Arzt vorgestellt werden
    • Unfallmeldung durch Arbeitgeber, wenn Unfall Arbeitsunfähigkeit von > 3 Kalendertagen oder den Tod zur Folge hat

Vorerkrankungen und Verletzungen

  • Vorschäden (Bandinstabilitäten, Meniskusverletzungen, kniegelenksnahe Frakturen)
  • vorherige Kniegelenktraumata
  • Voroperationen, auch der Gegenseite
  • Erguss, Instabilitätsgefühl, Immobilisierung
  • Arthrose
  • Hyperlaxizität
  • Hauterkrankungen
  • rheumatische Vorerkrankungen/Gelenkerkrankungen
  • neurogene Erkrankungen
  • Thrombose/Embolie
  • Gefäßerkrankungen/gefäßchirurgische Eingriffe
  • Allergien

wichtige Begleitumstände

  • Spontanreposition/Fremdreposition
  • Reposition mit oder ohne Narkose (vor und nach Reposition Kontrolle der Durchblutung, Motorik und Sensibilität)
  • neurologische Symptome
  • Adipositas
  • weitere Verletzungen (z.B. Polytrauma), auch des betroffenen Beines
  • Gefäßerkrankungen
  • intraartikuläre Punktionen/Injektionen
  • Voroperationen
  • Vorerkrankungen
  • Alter
  • Weichteilverletzungen
  • Thrombose/Embolie
  • Beinachsdeformitäten
  • Beruf, soziales Umfeld
  • kniegelenkgefährdende Sportarten
  • Medikamente, insb. gerinnungshemmende Medikamente (z.B. Aspirin, Marcumar)
  • Alkohol-/ Drogenkonsum

Symptome

  • schmerzhafte Bewegungseinschränkung des Kniegelenkes
  • Rupturgeräusch
  • Zerreißungsgefühl
  • Gangunsicherheit/Instabilitätsgefühl
  • Fehlstellung des Gelenkes
  • Gelenkerguss (sofort oder verzögert)
  • Weichteilschwellung
  • sensibler und/oder motorischer Ausfall insbesondere im Gebiet des N. peroneus
  • periphere arterielle Durchblutungsstörung mit fehlendem Puls am Fußrücken und hinter dem Innenknöchel
  • Analgetika-resistente Schmerzen

Diagnostik

  • Kontusionsmarken
  • Weichteilschwellung
  • Ergusspalpation
  • Palpation der Seitenbandansätze (Schmerzpunkte, evtl. Defekte im Bandverlauf)
  • Palpation des Gelenkspaltes (Schmerzpunkte)
  • aktive und passive Bewegungsprüfung
  • Stabilitätsprüfung (bei frischem Trauma ggf. in Analgesie bei Nutzung einer für andere Maßnahmen notwendigen Narkose zur Stabilitätsprüfung und Dokumentation)
Published inLeitlinien kompakt

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