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Leitlinie „Minimally Invasive Neurological Therapy (ESMINT) guideline on aneurysmal subarachnoid haemorrhage“ der ESO

veröffentlichende Fachgesellschaft: European Stroke Organisation (ESO)
Klassifikation gemäß AWMF:
Datum der Veröffentlichung: 07.05.2026
Ablaufdatum:
Quelle/Quelllink: https://doi.org/10.1093/esj/aakag043

medizinische (nicht-)invasive Therapie zur Verringerung des Risikos erneuter Blutungen und eines schlechten funktionellen Outcomes

  • keine routinemäßige Gabe von Antifibrinolytika vor der Behandlung des gerissenen Aneurysmas bei Erwachsenenn mit aneurysmatischer Subarachnoidalblutung (aSAH)
  • keine für die Gabe blutdrucksenkender Medikamente vor der Behandlung des gerissenen Aneurysmas bei Erwachsenen mit aSAH
    • Gabe blutdrucksenkender Medikamente erwägen bei Erwachsenen mit aSAH und RRsys > 160 – 180 mmHg, der auch nach Gabe von Analgetika, oralem Nimodipin und Legen eines Blasenkatheters vor Aneurysmabehandlung bestehen bleibt
    • wenn blutdrucksenkender Medikamente erwogen werden, kontinuierliche Gabe kurz wirksamer Medikamente, z.B. Labetalol, und Verzicht auf Diuretika, um Normovolämie aufrechtzuerhalten (CAVE: darauf achten, dass die RR-Senkung schrittweise erfolgt, wobei der RRsys vorsichtig gesenkt wird, entsprechend einer Senkung des MAD um max. 10 % innerhalb der ersten 2 h)
  • keine Empfehlung, dass das gerissene Aneurysma so früh wie möglich zu behandeln werden sollte, um das Risiko eines schlechten funktionellen Outcomes zu verringern
    • gerissenes Aneurysma bei Erwachsenen mit aSAH innerhalb von 24 h nach Auftreten der Symptome behandeln (Zeitpunkt sollte so gewählt werden, dass bei Bedarf das bestmögliche Expert*innenteam zur Verfügung steht)

Behandlungsmodalitäten für Aneurysmen

  • reguläres Coiling (d. h. ohne zusätzliche Hilfsmittel) als bevorzugte Strategie im Vergleich zum neurochirurgisches Clipping bei Erwachsenen mit aSAH in gutem klinischem Zustand (WFNS I – III) und Aneurysmen im vorderen oder hinteren Kreislauf
    • Besprechung in interdisziplinärem Team, dem mind. ein*e Neurochirurg*in und ein*e Neurointerventionist*in angehören
    • Team sollte erörtern, welche Behandlungsmethode für die jeweiligen Patient*innen das beste klinische Ergebnis bei gleichzeitig sicherster und optimaler Behandlung des jeweiligen Aneurysmas verspricht
    • bei der Wahl der Behandlungsmethode für das Aneurysma den im Vergleich zum Coiling besseren Langzeitschutz durch Clipping bei Erwachsenen mit aSAH < 45 Jahre zu berücksichtigen
    • multidisziplinärer Ansatz zur Entscheidung über Art und Zeitpunkt der Aneurysmabehandlung unter Berücksichtigung der (vermuteten) Ursache des schlechten klinischen Zustands bei Erwachsenen mit aSAH in schlechtem klinischen Zustand (GCS < 13)
    • sofortige OP zur Aneurysmenclipping und Hämatomentfernung bei Erwachsenen mit aSAH und schlechtem oder sich verschlechterndem klinischen Zustand aufgrund eines raumfordernden intrazerebralen oder subduralen Hämatoms
  • keine Empfehlung zur Anwendung endovaskulärer Behandlungsoptionen außer dem regulären Coiling zur Behandlung des gerissenen Aneurysmas
    • stentunterstütztes Coiling in ausgewählten Fällen, in denen andere Behandlungsoptionen nicht durchführbar sind
    • Flussumleitung als letzte Behandlungsoption vorbehalten
  • prophylaktische Gabe von Nimodipin oral zur Senkung des Risikos eines schlechten funktionellen Outcomes bei Erwachsenen mit aSAH
  • KEINE prophylaktische Gabe von Tirilazad, Statinen, Magnesiumsulfat oder Endothelin-Rezeptor-Antagonisten zur Senkung des Risikos eines schlechten funktionellen Outcomes bei Erwachsenen mit aSAH
  • KEINE prophylaktische Behandlung mit Thrombozytenaggregationshemmern oder einer lumbalen Drainage zur Senkung des Risikos eines schlechten funktionellen Outcomes bei Erwachsenen mit aSAH, bis weitere Daten aus randomisierten kontrollierten Studien vorliegen

Behandlung einer verzögerten zerebralen Ischämie

  • KEINE Empfehlung zur Induktion einer Hypertonie zur Senkung des Risikos eines schlechten funktionellen Outcomes bei Erwachsenen mit aSAH und klinischer Verschlechterung aufgrund einer verzögerten zerebralen Ischämie
    • induzierte Hypertonie erwägen, sofern das gerissene Aneurysma behandelt wurde und sich die Standardtherapie als unzureichend erwiesen hat (CAVE: klinische Kontraindikationen und mögliche Komplikationen einer induzierten Hypertonie berücksichtigen)
  • KEINE Empfehlung zur endovaskulären Behandlung von Vasospasmen zur Verringerung des Risikos eines schlechten funktionellen Outcomes bei Erwachsenen mit aSAH und klinischer Verschlechterung aufgrund einer verzögerten zerebralen Ischämie
    • intraarterielle medikamentöse Behandlung als Rescuetherapie erwägen bei verzögerter zerebraler Ischämie in Kombination mit refraktären und schweren Vasospasmen
    • nicht ausreichende Evidenzdaten, um routinemäßigen Einsatz einer mechanischen Vasodilatation mittels Ballonangioplastie
    • bei Erwachsenen mit aSAH und klinischer Verschlechterung aufgrund einer verzögerten zerebralen Ischämie in Kombination mit refraktärem schwerem Vasospasmus zu unterstützen –> in ausgewählten Fällen kann dieser Ansatz nach sorgfältiger multidisziplinärer Abwägung der potenziellen Risiken und ungewissen Vorteile als Rescuetherapie der letzten Wahl in Betracht gezogen werden
    • nicht ausreichende Evidenzdaten, um den Einsatz einer mechanischen Vasodilatation mit temporärem Einsatz von retrievable Stents zur Verringerung des Risikos eines schlechten funktionellen Outcomes bei Erwachsenen mit aSAH und klinischer Verschlechterung aufgrund einer verzögerten zerebralen Ischämie in Kombination mit refraktärem schwerem Vasospasmus zu unterstützen

Neuroimaging & Neuromonitoring

  • keine Empfehlung zur bildgebenden Diagnostik, um das Risiko eines schlechten funktionellen Ergebnisses zu verringern
    • einfaches Kopf-CT in Kombination mit CT-Perfusionsbildgebung bei Erwachsenen mit aSAH und klinischer Verschlechterung, um die Ursache der Verschlechterung zu ermitteln
    • mindestens ein einfaches Kopf-CT und CT-Perfusionsbildgebung zwischen dem 4. und 14. Tag bei Erwachsenen mit aSAH, die neurologisch nicht beurteilbar sind, aber ein hohes Risiko für eine verzögerte zerebrale Ischämie haben
    • keine routinemäßige digitale Subtraktionsangiographie zur Erkennung eines makrovaskulären Vasospasmus bei Erwachsenen mit aSAH
  • keine Empfehlung zur neurologischen Überwachung zur Verringerung des Risikos eines schlechten funktionellen Outcomes
    • keine Empfehlung zur Anwendung der transkraniellen Doppler-Überwachung
    • ICP-Überwachung mittels externer Ventrikeldrainage, sofern eine solche bereits gelegt wurde, bei Erwachsenen mit einer aSAH und radiologisch nachweisbarem Hydrozephalus, die neurologisch nicht beurteilbar sind
    • keine Empfehlung zur ICP-Überwachung bei Erwachsenen mit aSAH ohne radiologischen Hydrozephalus, die neurologisch nicht beurteilbar sind
    • kein invasives multimodales Neuromonitoring mit kontinuierlicher Messung des Sauerstoffpartialdrucks im Hirngewebe (PbtO2) und/oder Mikrodialyse aufgrund des ungewissen Risiko-Nutzen-Verhältnisses dieser Verfahren bei Erwachsenen mit aSAH, die neurologisch nicht beurteilbar sind
    • keine routinemäßige kontinuierliche EEG-Überwachung bei Erwachsenen mit aSAH, die neurologisch nicht beurteilbar sind
  • keine Empfehlung zu Strategien zur Liquordrainage bei Erwachsenen mit einer aSAH und Hydrozephalus
    • Liquordrainage bei Erwachsenen mit einer aSAH, die einen radiologisch nachweisbaren Hydrozephalus und eine Bewusstseinsstörung aufweisen
    • Anlage einer externen Ventrikeldrainage bei Erwachsenen mit einer aSAH, die einen obstruktiven Hydrozephalus und Bewusstseinsstörungen aufweisen
    • Liquordrainage oder wiederholte Liquorpunktionen als Strategie der ersten Wahl für die Liquordrainage bei Erwachsenen mit aSAH, die einen kommunizierenden Hydrozephalus und Bewusstseinsstörungen aufweisen
    • keine Liquordrainage bei Erwachsenen mit aSAH, die einen radiologischen Hydrozephalus und ein normales Bewusstseinsniveau aufweisen
    • permanente Liquordrainage bei Erwachsenen mit aSAH, die sich in einem Stadium befinden, in dem eine längere Liquordrainage (durch EVD, LD oder wiederholte LPs) ein höheres Risiko für schwere Komplikationen birgt als die Anlage einer permanenten Liquordrainage
    • permanente Liquordrainage bei Erwachsenen mit aSAH, die einen symptomatischen chronischen Hydrozephalus aufweisen
  • keine Empfehlung für Aufnahme auf spezialisierte neurologische Intensivstation bei Erwachsenen mit aSAH, um das Risiko eines schlechten funktionalen Outcomes zu verringern
    • Aufnahme und Behandlung auf spezialisierter neurologischer Intensivstation bei Erwachsenen mit aSAH

Zentrumskapazitäten sowie Anzahl der Neurochirurg*innen und Neurointerventionist*innen

  • keine Empfehlung zur Aufnahme bzw. Verlegung in ein Zentrum mit hoher Fallzahl bei Erwachsenen mit aSAH, um das Risiko eines schlechten funktionellen Outcomes zu verringern
    • unverzügliche Aufnahme bzw. Verlegung in ein Zentrum mit hoher Fallzahl bei allen Erwachsenen mit aSAH, wenn das Zentrum jährlich mind. 70 Patient*innen mit aSAH versorgt bzw. mind. 35 Patient*innen mit aSAH pro Jahr in abgelegenen Gebieten mit eingeschränktem Zugang
  • keine Empfehlung hinsichtlich der Fallzahl pro Neurochirurg*in und Neurointerventionist*in
    • Expert*innenkonsens: > 30 Patient*innen mit Aneurysmen (rupturiert und nicht rupturiert) pro Jahr
  • keine Empfehlung zur radiologischen Nachsorge über Zeitraum > 6 Monate nach mikrochirurgischer oder endovaskulärer Aneurysmaversorgung
    • mind. eine zusätzliche radiologische Nachuntersuchung 12 Monate nach Aneurysmareparatur bei Erwachsenen mit aSAH, die mit Coils behandelt wurden und bei denen innerhalb von 6 Monaten eine adäquate Okklusion erreicht wurde
    • keine weitere radiologische Nachuntersuchung zur Abklärung einer möglichen Aneurysma-Rekanalisierung bei Erwachsenen mit aSAH, die innerhalb von 6 Monaten mit einer Clip-Rekonstruktion und einer adäquaten Okklusion behandelt wurden
    • radiologische Nachuntersuchung >s 6 Monate nach Aneurysmabehandlung bei Erwachsenen mit aSAH, die Halsreste oder teilweise okkludierte Aneurysmen aufweisen (unabhängig von der Art der Aneurysmabehandlung), solange eine mögliche erneute Behandlung in Betracht kommt
    • radiologische Nachsorge mind. 5 Jahre nach Behandlung bei Erwachsenen mit aSAH, die mit anderen endovaskulären Implantaten als Coils behandelt wurden, unabhängig vom Grad der Okklusion, um adäquate Langzeitokklusion sicherzustellen und solange eine mögliche erneute Behandlung in Betracht kommt
    • radiologische Nachsorge über Zeitraum von > 6 Monaten nach Aneurysmabehandlung, um bei Patient*innen mit hohem Risikoprofil (z. B. junges Alter, positive Familienanamnese für aSAH, autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung) in Abständen von 5 Jahren auf neu auftretende Aneurysmen zu untersuchen, solange eine mögliche Behandlung noch in Betracht kommt
Published inLeitlinien kompakt

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